Offener Brief an die Tageszeitungsindustrie

Offener Brief an die Tageszeitungsindustrie, Berlin, 14. März 2014

Liebe Tageszeitungsindustrie,

ich lese seit ca. 30 Jahren ihre Print-Produkte. Und heute möchte ich mich hochoffiziell beschweren! Darüber, dass Sie es in einem Klima des allgemeinen Zeitungssterbens immer noch nicht hinbekommen haben, Zeitungen zu drucken, die nach dem Anbringen der gefühlt ein Meter großen Leseleiste den Text auf der Innenseite eines Blattes nicht verdecken. Es ist zum Mäusemelken!

Warum produziert man keine Tageszeitungen, deren Innenseiten auch in einem Klemmholz vollständig lesbar sind?
Warum produziert man keine Tageszeitungen, deren Innenseiten auch in einem Klemmholz vollständig lesbar sind?

Gerade heute, wo die Presse mit der Berichterstattung zum Drama um Uli Hoeneß vollgestopft ist, muss ich wirklich jede Zeitung in meinem Lieblingscafé auseinander bauen, um auch die kleinen Details und abgeschnittenen Wortfetzen am Rand eines Artikels auf der Innenseite in einen Deutungszusammenhang bringen zu können! Das nervt.

Warum Drucken sie keine Zeitungen mit einem größeren Rand auf der Innenseite? Meine Zeit ist kostbar, und wenn ich als Freiberufler und Familienvater mit einer hochschwangeren Frau nur 60 Minuten für die vormittägliche Zeitungslektüre zur Verfügung habe, möchte ich nicht 15 Minuten davon als Zeitungshandwerker opfern müssen, der zwischendurch die Blätter in die Tonne zu treten wünscht, da man sie seltenst wieder so zusammen bekommt, wie man sie vorgefunden hat. Im Gegenteil!

Wir fliegen auf den Mond, wir landen demnächst auf dem Mars, aber Sie sind ehrlich gesagt zu dämlich diesen Umstand zugunsten Hunderttausender von morgendlichen Caféhausgängern anzugehen. Warum nur? Das wäre eine perfekte Charme-Offensive pro gedruckter Zeitung mit der Sie echt punkten könnten. Das Display meines iPhones lässt sich nicht so einfach erweitern, bietet aber den Komfort, den Artikel beliebig zu vergrößern oder zu platzieren, jahaaa, und ich kann sogar die Buchstaben lesen, die ich in einer eingeklemmten Zeitung nicht lesen kann. Da müssen Sie doch endlich auch mal formal dagegen halten, Mensch! Zumal das erste Tagesblatt, das damit an die Öffentlichkeit geht, nicht nur den Marcos-López-Pionierpreis-Medienlandschaft-Berlin erhalten würde, sondern auch ein (höchstwahrscheinlich kurzes) Alleinstellungsmerkmal vorzuweisen hätte. Aber beim Sprinten genügt auch nur ein  Wimpernschlag um Verlierer von Siegern zu unterscheiden.

Also bitte, bevor es zu spät ist: bauen Sie endlich vernünftige Zeitungen!

Mit freundlichen Grüßen,

Marcos López

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Marcos López

Marcos López ist Musikexperte, Online-Redakteur, Web-, Medien- und Filmgestalter. Als erfahrener und versierter Spezialist hat er sich auch als Radiomoderator, DJ & Produzent einen Namen gemacht. Sein Projekt Marmion mit den Titel Schöneberg ist international bekannt. Er hat einige Weltreisen absolviert und verbrachte mehr als acht Jahre im Ausland (Australien, Costa Rica, Bali, Japan, Russland, USA, Südafrika, Thailand, Spanien, Indien, etc.). Von 2008 bis 2016 war er Redaktionsleiter der Musikvideoplattform c-tube. Der Berliner beschäftigt sich des Weiteren mit den Themen Film, Fußball, Journalismus, Internet, Archivierung, Dokumentation, Meditation, Ernährung, Laufen und Familie. Du findest Marcos auch auf facebook, twitter, youtube, mixcloud und familienclip.

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