Transkription: Interview, DJ Gandalf, Fritz (orb), Soundgarden 5. November 1999

DJ, Taxifahrer und Musikfan Gandalf in Interview mit Marcos López, Soundgarden, Fritz (orb), 5. November 1999

Marcos: Ja, und da verbreitet sich der zuckersüße Sound des Art Of Trance-mäßigen Union Jack-Stückes Full Moon Trout und tralali, tralala. Irgendwie so. Und damit bedanke ich mich erstmal – Gandalf. Hallo, hallo. Du bist voll drauf, ich hab den Mikrofonen Saft gegeben (Lachen im Hintergrund). Sag das nicht mein Freund, man soll nicht unken. Also erst mal schönen Dank für dein Set. Ich glaube du hast vor allem Stücke gespielt, mit denen du mir zeigen wolltest "Marcos, der Sound, den du immer gespielt hast: davon hab ich mir einiges abgeguckt und hier…".

Gandalf: Den hab ich mir abgeguckt.

Marcos: Chi-a.d., das ist doch wohl der Hammer.

Gandalf: Wahnsinn, ja.

Marcos: Wahnsinn, die Nummer. Ich bin kurz in Ehrfurcht erstarrt, als ich draußen am Computer saß, noch was geschrieben habe: Ah nein, das kennste doch… Das ist doch nicht etwa… ist das – ja! Chi-a.d.!

Gandalf: In Potsdam, da seh' ich dich noch stehen, wild tanzend. Ich war nur erstaunt und wollte wissen was das ist.

Marcos: Wie ich allen meinen Segen gegeben habe, das mache ich ja dann immer scheibchenweise, irgendwie. Ja, der Grund warum wir dich und den Orange und den Matze jetzt dabei haben, ist, dass ihr morgen ein ziemlich fettes, schönes Event macht. Na, wir wiederholen das nochmal: für diejenigen, die sich ein bisschen später eingeschaltet haben, aber trotzdem den Flyer zur Hand nehmen können: Schlagt doch mal die Seite 46 auf. Da steht das alles nochmal wunderbar zum nachlesen drauf, aktueller Flyer, Seite 46. Es geht um die Fudge Factor-Party morgen Abend ab 23 uhr im Pfefferberg. Die Frage an euch natürlich, alle drei, wie seid ihr denn auf dieses fette Line Up gekommen? Weil, die kommen ja echt von England, Schottland, Österreich und so… Habt ihr die auf den jeweiligen Parties kennengelernt, haben die Tapes eingereicht oder wie ist das gelaufen?

Gandalf: So über die Zeit von Parties, ja, alle Leute auf Parties kennengelernt. Gut aufgefallen, gut abgetanzt, eingeladen.

Matze: Ich kenne manche noch gar nicht, zum Beispiel Jupiter. Mit Mack E hab ich schon viele Parties zusammen gemacht. Meine ersten Parties vor drei, vier Jahren – guter alter Freund. Genau.

Marcos: So seid ihr darauf gekommen.

Matze: Den hab ich zum Beispiel dazu gebracht. Und…

Marcos: (unterbricht, lachend) Das ist Matze. Du wolltest doch gar nichts sagen?! Was ist denn jetzt los?

Matze: Na doch.

Marcos: Erzähl.

Matze: Wir haben uns außerdem, Fudge Factor hat sich außerdem auf die Visitenkarte geschrieben, auch mal'n paar Sachen, paar Acts zu bringen, die nicht so häufig zu sehen sind. Das ist übrigens alles auch auf unserer Website www.fudge-factor.de nachzulesen, und so sind wir doch auf dieses schöne, fette Line Up gekommen.

Marcos: Wunderbar. So, jetzt widmen wir uns noch mal ganz, ganz konkret dem Gandalf: du, jeniger…

Gandalf: Hallo.

Marcos: Ich hab das glaube ich vorhin um zehn vor sieben gesagt: ich hab dich in diesem Sommer auf so vielen Open Air Parties gesehen und ich, als oller Hase, als oller DJ-Hase, der sich seit 13 Jahren die DJ-Ohren abnudelt, hab dich, ehrlich gesagt, richtig bewundert. Weil von Antaris bis zu Shiva Moon, Mushroom Release Party da – keine Ahnung – jedenfalls hab ich dich auf so vielen supergeilen Open Air Parties gesehen.

Gandalf: Also, meistens war ich da nur feiern.

Marcos: Du standest doch auf vielen auf Flyern.

Gandalf: Da hab ich doch auch mitgemacht.

Marcos: Wie bist du denn zum Auflegen gekommen? Ich hab dich früher als Partygänger erlebt, der dann die DJs mit seinem Taxi nach Hause gurkte. Das machst du, glaube ich, heute noch.

Gandalf: Ja, bis vor einer Stunde.

Marcos: Das finde ich ja irre. Das ist ein guter Job.

Gandalf: Wie kam ich dazu? Das liegt, glaube ich, am Far Out und deinem guten freund Namito. Wenn man nämlich Taxi fährt und das schon zehn Jahre macht, da kann man mal Pause machen und auf einmal gab's da Trance und das war die Zeit von Moby – Go, 1991, Dance 2 Trance, Dancefloor-Musik. Und auf einmal hat mir das gefallen, die erste elektronische Musik hat Namito aufgelegt, hab mal auf den Plattenteller geguckt, dann sind wir zusammen Platten kaufen gegangen und so hat sich das entwickelt.

Marcos: Und wie hast du dich dann speziell für deine Sound-Wahl entschieden? Weil, man hat ja inzwischen durch die multistilistischen Vielfalten…

Gandalf: Tja, ich bin einfach Kitsch-fan. Also, naja, der eine nennt's kitschig, ich mag das so auch, mag auch Kitsch und auch Happy-Trance. Also gerade das hier, Platipus. Also echt!

Marcos: Aber das gehört schon fast wieder zu den Klassikern! Nicht nur, weil sie sich an einer meiner Platten vergriffen haben, was die Hookline anbetrifft, sondern überhaupt eine ziemlich gute Scheibe ist.

Gandalf: Ja, das ist es. Ja, und wie kommt man zu einem Stil? Indem man das spielt, was einem gefällt! So.

Marcos: Ist eine klare Ansage.

Gandalf: Also, es ist ja nicht echter Trance und Goa Sound, was im Moment läuft, es ist eher 'happy'.

Marcos: Das ist richtig!

(Kurze Stille, dann läuft ca. eine Minute Musik)

Marcos: 20 nach 9, ihr hört den Soundgarden am Freitagabend mit Marcos López. Heute DJ-Portrait: Orange und Gandalf. Hinweisend auf die Party morgen ab 23 uhr im Pfefferberg. Fudge Factor – mit Jupiter aus Österreich, Schamane aus dem Natraj Temple, München, Blax Third Eye aus London, Mack E aus Schottland und Orange aus Berlin. Live Percussion by Alvi, da werden wir gleich noch was dazu sagen, vielleicht auch nicht, Gandalf aus Berlin, Mo, Candy und als Live Act gibt es aus UK Ect. Fudge Factor morgen Abend um 23 uhr im Berliner Pfefferberg, Subground und die Halle. Frage war gerade hier unter den DJ-Kollegen: was machst'n du Silvester? Was machst du Silvester?

Orange: Ja, Orange wird in Australien auflegen zur Millenium-Party.

Marcos: Das ist ja wohl der Traum eines jeden psychedelisch orientierten DJs, weil die Delphine kommen dann pünktlich um Mitternacht und sagen… (delphinartiges Quieken)

Orange: Und auch psychedelisch angemalt, genau.

Marcos: Wahrscheinlich in phosphorfarben und ähnliches.

Orange: Kann man ja nachhelfen.

Marcos: Aber es gibt keine Fudge Factor Party?

Orange: Hier nicht, nein.

Marcos: Also, weil schon wieder die Telefone bimmeln: Jungs und Mädels, wartet wegen der Freikarten – das wird noch. Also, Silvester bin ich zum Beispiel in der Kalkscheune und auch bei einer ganz grossen Party von den WM66-Leuten in den Reinbeck-Hallen in Schöneweide. Also wir kommen mächtig zum Feiern. Was machst du Silvester, Gandalf?

Gandalf: Also, ich werd vermutlich feiern, wie immer, und danach, danach kann ich mich zum Feiern in mein Taxi setzen, weil Taxifahren zu Silvester ist nett. Man weiß gar nicht auf welche Party man sonst gehen soll, kriegt die Böller um die Ohren geschmissen, da sitze ich am liebsten… Naja, es gibt schönere Dinge, aber es ist echt nett. Und dann leg ich ab 7 Uhr morgens im Pfefferberg auf. Schon wieder! Bei einer Party, die nennen wir Paranoia, nicht wir, sondern die Veranstalter: das ist der Ralf Hirsch, der auch schon ab und an hier war, und der Lila Lutz, der war auch schon hier. Paranoia irgendwie, weil Paranoia, aber auch wegen des Jahrtausend-Bugs. Da soll, da will der Ralf irgendwie was dahin bauen. Ein Multimediazentrum das guckt, wo auf der Welt was ausfällt, welche Jets abstürzen, nein – das hoffen wir ja nun nicht, aber irgendwie solche Dinge und da gibt es auf zwei Floors die DJs: Nico, Stigma, Sangeet und dann komm ich von der Schicht und damit kommt der Gandalf  um sieben Uhr morgens.

Marcos: Von der Schicht …

Gandalf: Ja, das mach ich Neujahr und danach, danach kann ich auf jede Menge Feiern verweisen, in den Frühling hinein.

Marcos: Ok, du hast noch 40 Sekunden, dann ist diese Platte zu ende. Er schmeißt den Kopfhörer hin und rennt zum Turntable. Okay, an dieser Stelle, Orange und Matze, würde ich sagen: es wird Zeit, dass wir den Leuten sagen, ihr könnt jetzt anrufen. Wir haben, wir sind großzügig heute, 5 x 2 Freikarten für diese wunderschöne Party morgen im PfefferbergFudge Factor fährt voll auf. Und ihr könnt anrufen unter 0331 – 7097110, 0331 – 7097110… Das war aber ein harter Übergang! (Gemurmel im Hintergrund) Ich hab den Hebel hochgemacht! (Gemurmel im Hintergrund) Ja, aber die Platte war eh schon am Ende. (Widerspruch eines leicht verwirrten Gandalf) Ich verstehe, ich verstehe. Ja, ruft mal an: 0331 – 7097110.

Orange: Für heute abend hab ich noch einen kleinen Tip: der Alvi, der morgen Percussion spielt während wir oben auflegen, der macht heute abend schon eine Reggae-Party im Subground, und zwar mit den italienischen DJs One Love, High Power und Kangarooz. Die spielen so Reggae, Dancehall und in der Lounge sind Eichner und André. Die spielen Dub, R'n'B, Hip Hop und Soul. Ja, das wollte ich nochmal rübergeben wärmstens..

Marcos: Ok, 0331 – 7097110. Da könnt ihr den süßen Jungs auch morgen in die Augen schauen. Gandalf, Matze und Orange. An dieser stelle möchte ich mich für euren wunderschönen Einsatz hier bedanken. Etwas was uns auf ewig verbindet, ob in Australien oder in Costa Rica oder in Indien – diese Stunde kann uns niemand mehr nehmen.

Orange: Ja, da musst du auch noch was erzählen, Costa Rica.

Marcos: Später, später. Aber nicht heute und nicht hier. Ich bedanke mich und wünsche euch ein schönes Wochenende. Morgen eine fette Party, ich leg ja morgen auch im Choppaz auf. Wenn unsere Party früher fertig ist als eure und das nehm ich an…

Orange: …kommst du vorbei.

marcos: …komm ich zum Frühstück in den Pfefferberg. Also, vielen Dank fürs Dabeisein.

Orange: Ja, wir freuen uns.

Marcos: Nach dem Fritz-Kurzinfo geht's dann weiter mit vier wunderschönen Ambient-Tracks und nochmal einen israelischen, der euch die Schuhe ausziehen wird. So, wollt ihr noch jemanden Grüßen – oder danken?

Matze: Ja, ich muß unbedingt noch was loswerden. Das klingt ein bisschen komisch, das ist speziell für meinen lieben Kumpel Hein: (Es folgt ein Räuspern, begleitet von Lachen im Hintergrund)… Ok, das wars.

Radiosendung: dt64, Nightflight, 4. April 1992 – Teil 1

Radioshow – dt64 – Nightflight – 4. April 1992 – Teil 1 by Marcos López on Mixcloud

 

In dieser Sendung stellte ich eine ganze Stunde lang die neue und für ihre Zeit wegweisende CD Tranceformed from beyond (MFS Records) vor. Für den Mix war zunächst der Berliner Elektronik-Künstler Cosmic Baby verantwortlich, zu dem sich später noch der Berliner Produzent Mijk van Dijk dazu gesellte. Meine Begeisterung für dieses großartige Album ist aus jedem Wort der Moderation herauszuhören. Und wenn bei Minute 11:28 Quazars phänomenaler Track Seven Stars anfängt zu blubbern, bekomme ich heute noch eine Gänsehaut, die meist zu einem wilden Toben führt, wenn der Track knapp zwei Minuten später, bei Minute 13:15, seinen elektrisierenden Ausbruch erlebt. Genial! Immer wieder!

Mijk van Dijk ist an dieser bemerkenswerten CD beteiligt gewesen und zwar in dem Sinne, dass er bei der Fertigung der CD im letzten Drittel dazu stieß. In den Credits des Albums ist dies leider nicht entsprechend gewürdigt, somit holen wir das auch an dieser Stelle nach.

Die CD und die Rolle von Mijk van Dijk bei der Produktion von Tranceformed from beyondwar auch ein Thema, als selbiger für ein australisches Magazin im September 1999 ein Interview gab (die genaue Quelle des Interviews konnte leider nicht recherchiert werden): ***

Magazin: You mentioned that the sound was constantly changing. You inparticular, seemed to be at the forefront of pushing technology and pushing the musical boundaries to the limit. Your collaboration with Cosmic Baby on "Tranceformed from beyond" (the first ever trance compilation) is testament to that, you reshaped the "techno" sound and created Trance, as well as influencing the actual physical CD market by firstly doing a trance CD and secondly making it fully mixed.

Mijk van Dijk: Its funny, back In 1991, Berlin was a hardcore city. We tried to get harder and harder, I think that the records from R&S as well as Tresor, capture that period at its the best. It was obvious that some would get tired of this and would go for more melodic music, a mixture of Techno-Beats and the upcoming ambient style. That was basically the idea behind "Tranceformed from beyond": to create a non-stop-music mix which you would like to listen to at home or where ever you are. So we made a concept, that we would select and remix tracks (most from MFS) and do the arrangement already with a link to the next track in mind (we couldn't afford hard disk recording back then). At first Cosmic started to do the mixes. We then put the tracks together with digital tape mastering machines in the mastering studio of "Deutsche Schallplatte", which was basically the former monopol record label of Eastern Germany "Amiga" (in communist countries, there is always only one party and one car plant and one record label…).

*** Das Interview wurde mir in einer Mail von Mijk am 6. Februar 2014 zur Verfügung gestellt.