![]() |
![]() |
||||
![]() |
|||||
network dance charts 08/1991 part 1
10 monate nach der deutschen wiedervereinigung waren das die ersten flotten charts auf diesem sender, die den aktuellsten dancefloorsound in den ostdeutschen klangraum strahlten, denn dt64 hatte noch das glück, durch überregionale frequenzen einen großteil der ehemaligen ostdeutschen bevölkerung inkl. westberlin erreichen zu können (mit ausnahme des größten teils von mecklenburg - vorpommern): auf ca. 12 der 18 überregionalen frequenzen von dt64 konnten nun dt64-hörer zwischen putbus und chemnitz sonntags von 13 und 15 uhr die network dance charts empfangen. aufgrund der eigenheiten terrestrischer sender erreichte das programm dabei auch den ein oder anderen geneigten hörer in franken und niedersachsen.
die network dance charts realisierten die vertonung einer (club-)dj orientierten hitparade. sie wurden in einem speziellen verfahren vom magazin network press von woche zu woche erstellt. ich nahm sie als grundlage, präsentierte die positionen, suchte aber davon nur das beste [nach meiner meinung] aus. dies bedeutete: es wurden nicht immer die top ten herunter gespielt, sondern auch die b-seiten der aktuellen singles (z.b. wenn die a-seite in den wochen zuvor schon mal gespielt worden war, die platte aber immer noch ganz oben rangierte), sowie spezielle versionen (soweit vorhanden) der platzierten songs.
ein weiterer kindheitstraum ging damit für mich in erfüllung: als kind schon ein alter radio-naut, hatte ich im heimischen hessenland meinem helden werner reimke vom hessischen rundfunk jeden donnerstag fast ritualartig bei seiner hitparade international auf hr 3gelauscht; mich interssierte die musik und wie die sendung gemacht war. viele der dort gespielten songs gelangten in voller länge auf meine kassetten, worüber ich mich immer höllisch freute. ich war ein akribischer sammler meiner lieblingssongs, fieberte mit meinen lieblingsbands um die besten plätze und war total gespannt auf die neue nummer eins. wer würde es diesmal schaffen? diese stunden waren frei von irgendwelchen sorgen; ich hatte meinen spass, allein mit meinem ghetto-blaster. das wiederholte sich von woche zu woche und wurde nur dadurch gestört, dass das training der jugendmannschaften des 1. fc eintracht stadtallendorf manchmal am donnerstag stattfand. manchmal spielte ich bei den verlosungen der konzertkarten mit (und kann mich noch erinnern, freikarten für ein open air konzert mit neil young in wiesbaden, der landeshauptstadt von hessen, gewonnen zu haben. ich fuhr mit gudrun dorthin, der besten freundin meiner schwester, denn ich hatte noch keinen führerschein und sie einen vw käfer).
die network dance charts fielen in eine zeit, in der ich versuchte, als dj und moderator neuem sound in das tagesprogramm von dt64 zu bringen. nach 8 monaten ´step on´ in der mittagszeit des programms - eine art mittagsdiskothek mit club- und dance-musik, schien mir die zeit reif dafür, mehr progressive sounds innerhalb des senders platzieren zu können. das war gleichzeitig eine spannende herausforderung: zum einen hatte der verantwortliche musik-chef von dt64, frank menzel, volles vertrauen zu mir. auf der anderen stand mir aber der suspekte chefredakteur michael schiwack ein paar mal auf den füßen und verlangte rechenschaft, über das, was ich da spielte (und von dem er das meiste sowieso nicht verstand. wie denn auch???). ich verteidigte meine auswahl ganz energisch - bishin zu der ansage, dass ich eine einmischung in die auswahl der musik nicht zulassen würde. dies käme einer zensur gleich - und die hätte man in diesem lande doch fast 40 jahre zu ertragen gehabt, oder ?! ich versuchte, ihm etwas von den entwicklungen des berliner undergrounds zu vermitteln und hoffte so auf mehr verständnis und aufgeschlossenheit ...
in der hauptstadt fanden bereits die richtig großen techno-partys statt; das war unbeschreiblich beeindruckend! sie gaben mir die motivation, so vorausschauend wie möglich mit den möglichkeiten der network dance charts umzugehen. das hieß für mich: wann immer es ging, b-seiten, spezielle mixe und bonus material der platzierten projekte und der bullets (= songs, auf dem weg in die charts) zu präsentieren. bei den neuvorstellungen ließ ich mich ganz von meinen dj-gelüsten treiben und stellte diverse male songs vor, die ich mir gerade erst im plattenladen gezogen hatte und von denen ich annahm, dass sie es noch nicht mal bis in die bullets schaffen würden. dennoch musste ich diese scheiben spielen. ich musste diese scheiben, diesen neuen abgefahrenen sound, irgendwie in die sendung bringen, damit die offenen hörer die chance bekämen, zu hören, was es neben den major-dance-produktionen der großen plattenfirmen noch für unglaublich abgefahrene sachen produziert wurden. irgendwie war ich auf mission. so kam ich mir vor: schiwack, den chef von dt64 an der backe - und die offene hörerschaft des jugendradios nicht dazu missbrauchen, den eigenen film zu fahren, sondern ihnen bewusst etwas aufzeigen - ja, dokumentieren - von dem, was die westleute seit ewigkeiten frei und ohne einschränkungen kaufen, hören und ´betanzen´ konnten. wenn man sich, so wie ich, über viele dinge gedanken macht, dann weis man, dass das eine knifflige aufgabe war ...
ab oktober 1991 sollte ich zudem regelmässig im berliner tresor auflegen - und zwar im globus, dem ´culb im club´ im erdgeschoss der ehemaligen bank - wo ich house und tranciges zum besten geben wollte.
ich produzierte im dt64-studio (im haus des rundfunks, worin die gesamte DDR-hörfunk-medial-maschine ihren platz hatte und das ganze land der arbeiter und bauern durch pro-sozialistischen journalismus in der planwirtschaftlichen spur gehalten wurde ... bis es reichte!) meine zahlreichen jingles in absprache mit frank menzel, dem verantwortlichen musikredakteur, musste die gar nicht leicht zu kriegenden platten besorgen (die fast alle von mir gekauft werden mussten, da viele sachen gar nicht bemustert wurden) und bin dann im sommer 1991 mit meinem weissen passat baujahr 1978 durch diese ganze trümmerlandschaft des ostteils von berlin gegurkt - vorbei an der jetzigen eastside-gallery, oberbaumbrücke und dem kraftwerk bis zur nalepastrasse, um von da an jeden sonntagmittag diese charts zu moderieren. es war zunächst ein riesenspass, wurde später allerdings persönlich ein gewagter spagat, da sich mein eigener geschmack, durch das umfeld, in dem ich mich bewegte, von den kommerziell augerichteten produktionen der charts zusehends unterschied. viele der platzierungen der network dance charts (später wurden daraus die deutschen dance charts) ließen einem die haare zu berge stehen.
die hier zur sprache kommende ausgabe der network dance charts wurde 1991 von mir auf kassette mitgeschnitten und im juli 2003 in folgenden schritten bearbeitet: überspielung analog-digtal, mastering, einige schnitte wegen drop outs, konvertierung, beschriftung. am 06.07.2003 entstand dazu der text "wie alt seid ihr im august 1991 gewesen?" (den ihr unten anklicken könnt). im september gestaltete ich schliesslich das cover für die cd (bild unten anklicken). am 12.10.2003 entstand schliesslich dieser text. die sendung stand zwischen juni und juli für mehrere wochen zum download bereit.
die cd network dance charts#01 enthält die allererste stunde (von zweien) dieser allerersten dance-music-chart-sendung im august 1991 (genaues datum lässt sich im moment noch nicht rekonstruieren) auf dt64 im jugendprogramm des mitteldeutschen rundfunks. sie zeugt von der großen spielfreude, mit der diese sendung gestaltet wurde; (die jingles sind übrigens im original alle noch auf tonband erhalten und werden wohl eines tages in die "geschichten eines stadtjungen - teil 2" eingang finden).
die erste stunde (von zweien) der network dance charts#01 kann als 57-minütige audio-cd für € 7.- inkl. porto/verpackung bestellt werden. email an darshan@web.de, geld überweisen, auf post warten.
|
|
|