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zweitehand dj-mixe



another night 08.03.94 (55:44)


marcos lópez
a tribal-trance mono-recording
€ 5.- + € 2.-. porto & verpackung
email an darshan@web.de

"another night", im märz 1994, in berlin wilmersdorf aufgezeichnet, 56 minuten in voller länge, dokumentiert die ethno-percussive suche in der "post-tribal rave-post earth beats"-phase.

während die jahre 1992 und 1993 ganz im zeichen der entwicklung des tribal sounds als party-konzepte standen (und dann auch in diese, mit wolle neugebauer gestalteten partyreihen "tribal rave" [1993] und "earth beats" [1994] mündeten), ging die exploration nach dem "geist in der maschine", dem "neonlicht und lagerfeuer", dem "computer und ritual", weiter in eine entschieden experimentellere richtung. viele platten aus benelux, frankreich, england und den usa, skuril, mutig und neu, gingen zu dieser zeit durch meine hände. die labels hatten solch bunte namen wie wonka beats, global cuts, teknotika und sabres of paradise. ich hörte entschieden alles material, um auf oft noch überraschendere b-seiten der vinyl-maxis und long player zu stoßen.

es war fast so als ob der blosse, in die weiten des raumes gedachte wunsch nach anderer musik mit percussiven themen, die manifestation derselbigen in form von schwarzen, runden scheiben aus plastik hervorbrachte. vieles klang dünn und unausgereift, aber der eindruck wich nicht, dass offensichtlich viele so dachten, suchten und lauschten wie ich.

nach solchen einkaufstouren - zumeist war es in kreuzberg (hunderte von deutschen märkern wechselten dabei oft den besitzer) - schloss man sich abends ein (recht geschlaucht, denn platten einkaufen kostet nicht nur viel geld, sondern macht aufgrund den konzentrierten dauerbeschallung auch platt) und versuchte diesen bunten haufen plastik, die summe der gekauften beats, labels, sounds und songs in eine für sie gedachte, aber noch nicht klar zu bestimmende oder irgendwie auffindbare akustische box zu sortieren, dabei in ein dramaturgisches konzept zu packen und somit in ein zusammenpassendes ganzes zu verwandeln. sehr viele stunden und ganze tage vergingen darin - oft durch übermüdung in hochsensiblem und angetranceten zuständen -, in immer wieder neuen anläufen, die allerbeste zueinander passende reihenfolge der stücke zu finden: im anspruch technisch sauber gemixt und diesem gefühl auf der spur, das dann, und nur dann entsteht, wenn die akustischen buchstaben der einzelnen tracks zu unsichtbaren wörtern geformt wurden, deren verständnis sich im moment der wahrnehmung wie ein warmer, sanfter stoss vom solar plexus in das vegetative system verströmen, so als ob die "klingenden lettern" ihr alphabetisches zu hause, im vergänglichen fluss der stücke, die vor und nach ihrem einsatz folgten, gefunden hätten. eine polyrhythmische staffel, die nur durch das technische ende des bandes - zunächst, ca. 1991, waren es magnetische cassetten, später, wohl mitte 1992, digitale audio bänder; erst ab 1998 fand die mini-disk verwendung - ins finale kam bzw. vorzeitig ausgezählt wurde.

die besten mixe überlebten, oft unerkannt in ihrem potential, und wurden nach und nach, bevor ihnen der zahn der zeit und die magnetisierung der unterschiedlichsten tonköpfe - auto, ghetto blaster, walkman - im lauf der jahre ganz den gar ausmachten, auf digitale träger kopiert.

da jede noch so perfekte sache ihren kleinen makel hat, ihn oft unerkannt für langezeit verstecken kann, sie ihn am ende aber doch preisgibt, preisgeben muss, um durch vollkommene transparenz auch profunde akzeptanz anzustreben, kommt auch hier ein wermutstropfen mit seiner bittersüßen wahrheit:

"marcos lópez-another night 08.03.1994" wurde, damals, versehentlich in mono aufgnommen. ein faux pas im rausch der sinne, sozusagen, der auch heute noch am allermodernsten pioneer-mischpult durch das umlegen eines kleinen knopfes, schnell und unbemerkt geschehen kann.

es trübt den spass vom anspruch her, nicht aber vom erlebnischarakter, denn die akustischen buchstaben, die melodischen verse, werden auch so in dein gehör finden, dich vielleicht ebenso in das alphabet eines tieferen kodecs eintauchen lassen, in eine ebene unterhalb der blossen form. magisch, mystisch und manchmal metaphysisch. so als ob "hinter" dem gehörten, eine weitere, zunächst unhörbare sequenz darauf wartet, wahrgenommen zu werden. die auswahl der stücke, das ist stufe 1, der fertigung des mixes stufe 2, das abhören der aufzeichnung stufe 3 und das sich aus dem moment der akkustischen rezeption bildende innere erlebnispanorama, die bilder, gefühle, stimmungen bis hin zu veränderten pulsfrequenzen, ein bis heute kaum zu erklärendes phänomen ... stufe 4. für jeden ein anderes. zurecht. erklärungsversuche würden wohl größer als eine enzyklopädia humana, denn sie ließen sich nur mit der individuellen geschichte und der tagesform im moment des hörens erklären. die generation der 90er hatte genau diesen moment zu einem kult erhoben. er lässt sich mit einer aufforderung beschreiben und realisieren zugleich: "schliess deine augen, höre ... und FÜHL !"
   

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