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pressespiegel



deutsches yoga forum august 4/2001, s.34-37
marcos lópez übt tagsüber yoga. nachts aber spielt er als dj darshan marcos lópez auf trance- & techno-parties. bdy-yogalehrer und dyf-autor mathias tietke wurde neugierig und interviewte den yoga übenden dj & radiomoderator.

als ich im februar in einem kleinen berliner musikladen cd´s anhörte, blätterte ich in einem vor mir liegenden szene-magazin. gleich vorne, auf seite 4, stieß ich auf begriffe und formulierungen, die ich dort nicht erwartet hatte. in einem ganzseitigen interview mit dem dj und radiomoderator darshan marcos lópez, dessen album "t@les from a city boy" gerade erschienen war, wurde von der "symbiose aus dem spirituellen prozess der letzten jahre", von "innerem wachstum" und von yoga gesprochen. aufgrund dieses in dem magazin "[030]" abgedruckten interviews, in dem einzelne lebensstationen wie kindheit und jugend in madrid und hessen, das leben in einer kommune in costa rica und die sannyasin-weihe in poona erwähnt wurden, ahnte ich, dass darshan m.lópez kein yogi im strengen, herkömmlichen sinne mit regelmäßiger asana-, pranayama- und meditationspraxis ist, sondern - wie es in "[030]“ formuliert war - dass er versuchte, den spagat zwischen dem wunsch nach frieden und innerer ruhe und dem westlichen lebensstil zu leben. mich interessierte, wie dieser spagat konkret aussieht, ich wollte wissen, was hinter dem dj und sannyasin steckte, wollte diesen darshan m.lópez kennenlernen und rief das hamburger label "free form records" an. postwendend bekam ich die aktuelle cd sowie die telefonnummer des dj darshan m.lópez. in einem kurzen telefonat, in dem mir darshan wortgewandt vom dynamisieren des sounds, dem joggen auf hamburgs strassen und von dem für ihn relevanten reinigen sämtlicher kanäle im yoga erzählte, einigten wir uns auf ein interview per e-mail, das hier nun auf den folgenden seiten zu lesen ist. weitere informationen, fotos und die möglichkeit zur kontaktaufnahme gibt es auf der homepage www.marcoslopez.de. dort findet sich auch der hinweis auf eine neue veröffentlichung namens "goa°berlin 2001", eine doppel-cd, die den ersten dj trance-mix von darshan m.lópez beinhaltet, der mittlerweile nach berlin umgezogen ist; inzwischen haben wir uns auch für ein direktes gespräch bei einem glas yogi-tee verabredet.

dyf: gab es ein konkretes erlebnis, welches den spirituellen prozess in gang gesetzt hat? falls ja, was und wann war das?

darshan m.lópez: das leiden als solches, das glück im ganzen, reichtum, armut - das sind meiner meinung nach die wesentlichen katalysatoren für veränderungen. bei mir war es traurigkeit, niedergeschlagenheit, depression - habe mich in meinem körper nicht gut gefühlt. ein zustand der schon zu beginn der 90er schlummernd, dämmernd, lauernd da war. aber ich wollte veränderung. reiner powersport war mir zu dumpf, meditation liess mich innerlich noch schreien. also habe ich in einem meditationscenter in berlin osho´s dynamische ausprobiert, kundalini, no mind etc. die neugier wuchs mit steigendem wohlbefinden. neugier auf poona, viele sannyasins, indien. ticket gekauft, ab nach bombay. in poona habe ich dann den traurigen seiten meines wesens nachgespürt. zurück fing eine turbulente reise an: gurus, urwald, neuorientierung ... mit der erkenntnis: ich bin selbst mein eigener meister. wann immer eine frage auftaucht, die stimme da drin ist unüberhörbar. nenn´ es die weisheit meines wesens, instinkt, intelligenz, kosmische kraft oder den universellen geist. und jeder hat sie/ihn, weil wir alle göttlichen ursprungs sind.

dyf: was verstehst du unter "yoga" und wie sieht deine praxis aus?

darshan m.lópez: ganz einfach ausgedrückt, verstehe ich unter yoga kanalreinigende übungen. und zwar für jeden kanal, also körper, bewusstsein und seelenwesen. genau gesehen bedeutet yoga aber eine ganzheitlichkeit des seins, weil praktisch überall da wo schatten ist, licht ins dunkel gebracht wird: es stärkt einen schwachen körper, es gleicht eine erschöpfte seele aus, und es schärft die achtsamkeit für dich und deine umwelt. Und ganz praktisch und simpel gesehen: yoga macht einfach ruhig und zufrieden. es passiert einfach.

dyf: wie hast du indien erlebt und unter welchen umständen wurdest du zum sannyasin geweiht?

darshan m.lópez: indien ist gross, dreckig, laut, arm und schön - mysteriös, faszinierend, eckelhaft & stinkend, ungerecht & bizarr. ich war im ashram in poona und nach langen mindfucks für und wider sannyas nehmen, habe ich mir gesagt: komm alter halbspanier , du hast doch nicht nur zum basmatireisessen diese lange reise gemacht! und die initiierung war dann ein solch schönes ereignis: küssen, umarmen, blumen, singen, tanzen. toll! zu der zeit gab es schon die ganzen diskussionen um die führung des ashrams, aber diese ganze mafiabande, die verwaltet, reglementiert & abklassiert interessiert mich eigentlich nicht. sannyas genommen zu haben bedeutet die geburt einer spirituellen identität. und die gehört niemandem. die findet von alleine nach hause, wenn´s soweit ist.

dyf: wie ernst oder genau nimmst du die auflagen des verzichts?

darshan m.lópez: welchen verzicht meinst du? doch nicht etwa im sannyas-dasein! sannyasins geniessen ihr leben in vollen zügen. manchmal ist sogar ein zug zuviel dabei ... ich kann nur von mir sagen: der ganze poona-express hat mich zum kern meines wesens gebracht und nach costa rica zu einem weiteren guru, nach australien zu meiner liebsten, zu meinen verwandten nach madrid & valencia, die ich seit 10 jahren nicht mehr gesehen hatte und die für mich eigentlich schon "verloren" waren ... verzicht im yoga gibt es für mich nicht. ich denke da eher tantrisch, und da geht auch alles. ausserdem funktioniere ich so: wann immer was nach verbot aussieht, werde ich zum rebell - wassermann und löwe sagen da eindeutig: neeeeiiiin!!! das nimmt dann sogar kontraproduktive tendenzen an, selbstzerstörerrisch eben. das habe ich mir nicht ausgedacht, sondern die da oben. und ich habe gelernt: schlafe wenn du müde bist, iss wenn du hunger hast, geniesse den sex, wenn er passiert, und feiere, wenns was zu feiern gibt. das leben auf diesem planeten hat leider keine generalprobe.

dyf: hat sich diese jüngste entwicklung, dein sannyasin-dasein, auf dein neues album ausgewirkt?

darshan m.lópez: im inhaltlichen weniger, aber die kraft dieses album im alleingang zu konzipiern, das konzept zu entwickeln, die produktion zu meistern, die pressearbeit vorzubereiten und jeden schritt mit sich selber ausmachen zu müssen auf dem weg dahin, das wäre ohne poona vielleicht nicht passiert. wie gesagt: das sannyasdasein ist für mich die aufforderung zu seiner wahrheit zu stehen ... und dafür zu gehen! ich wollte als kind schon ein album machen, als ich diese knisternden vinylscheiben aus den queen-alben holte. zwischendurch verlor ich es aus den augen ... und siehe da: mein album ist da. was auch die behauptung unterstreicht, dass träume wahr werden. und der menschliche geist das heftigste werkzeug ist.

dyf: wirst du künftig new-age-musik machen oder mehr indische musik in deine mixe/produktionen einfliessen lassen?

darshan m.lópez: new age klingt für meine generation nach rauschebart, spirituell belehrend, zurückgezogen, ökologisch indoktriniert. mit all dem habe ich nichts am hut: ich bin weltoffen, modern, technisch interessiert und ökologisch korrekt. meine musik sucht nach einem urbanen ausdruck, der mit dem wissen um unsere wurzeln entsteht. deswegen haben für mich tribale und ethnopercussive elemente wie trommeln, bongos und chants schon immer eine rolle gespielt. das kann man in meinen produktionen 1993 hören und heute. und techno & trance bieten im grunde genommen die möglichkeit des rituals mit elektronischen mitteln: früher hat der schamane die geister mittels trommeln & kräutern gerufen, eine im tanz vereinte gemeinde hat dadurch heilung gefunden. heute kommt der dj, klopft mit scheiben, cds etc. und die ihm anvertraute gruppe kann im tanz genauso heilung erfahren ...

dyf: auf allen fotos, die ich in letzter zeit von dir gesehen habe, hast du den kopf gesenkt oder die augen geschlossen. ist das ein ausdruck von demut oder bist du sehr melancholisch?

darshan m.lópez: die bilder sind nach rein ästhetischen gesichstpunkten gewählt. was mir gut gefällt, wird genommen. ich versuche nicht, in den bildlichen abdrücken meines wesens eine spirituelle glaubwürdigkeit zu erzeugen. wenn du darin demut & melancholie liesst, habe ich nichts dagegen. es ist deine innere stimme, die auf den äusseren reiz reagiert. und die ist, wie ich ja schon sagte, eigentlich dein bester freund: du kannst dich immer auf ihn verlassen.

anmerkung von marcos:
dyf = deutsches yoga-forum
bdy= berufsverband der yogalehrenden in deutschland e.v
eyu = europäische yoga union
   

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