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pressespiegel



oranienburger generalanzeiger 02.06.01
pfingstbeilage, rubrik oberhavel

oberhavel.zwei jahre lang stimmte der berliner techno-dj marcos lópez im "soundgarden" am freitagabend auf radio "fritz" die freunde elektronischer tanzmusik aufs wochenende ein. ende 1999 verabschiedete er sich nicht nur vom radio, sondern auch von seinem namen und seinem leben in deutschland. inzwischen ist der populäre dj wieder aufgetaucht. als darshan marcos lópez wollte er an diesem wochenende beim "uniquefestival" in kremmen auflegen. im oga-interview spricht lópez über seine wiederkehr, die neue platte und die love parade. das interview führte tilman trebs.

oga: dein abschied im radio klang damals ziemlich endgültig:"marcos lópez ist ab heute geschichte" waren deine letzten worte. wer oder was hat dich zurückgeholt?

marcos: der abschied war endgültig gemeint! wollte meinem spirituellen prozess, meiner inneren stimme folgen, die seit der indienreise 1999 unüberhörbar war. nun, nach tausenden von kilometern, schönen, traurigen, einsamen, faszinierenden, erleuchtenden momenten im coastaricanischen urwald, im australischen busch, im art-deco-miami und in diesem unglaublich bizarren los angeles, hat es "peng!" gemacht und mir war klar, dass ich diese reise wohl angetreten habe, um mich selbst zu finden ... indem ich mich von allen konzepten löse: selbst von dem konzept, mich von marcos lópez zu lösen! ich habe mich durch diese reise selbst angenommen: so wie ich bin - mit lachen & weinen, hellen & dunklen seiten. und dadurch geniesse ich mein dasein in einer qualität, die ich vorher nicht kannte. ich bin glücklich, ob in homberg, hamburg oder hellersdorf.

oga: in costa rica ist die idee für deine außergewöhnliche platte "geschichten eines st@dtjungen" entstanden.

marcos: die idee gab es schon viel früher! die musikalische abstinenz während der reise manifestierte aber zusehends das konzept und gab mir die energie, dieses projekt frisch anzugehen. den sommer 2000 habe ich dann zumeist in hessen viel zeit damit verbracht, die passenden sounds, songs und sequenzen aus dem reichhaltigen material zu fischen, das sich angesammelt hatte. in madrid, wo ich den herbst über war, gab es dann die zusage von free form in hamburg. so habe ich dann tagsüber gepaukt, abends die stücke editiert und bin mehrere male für grafik und master nach hamburg geflogen. herausgekommen ist ein stark biografisches konzeptalbum, dass es in einer solchen form noch nicht gegeben hat: jemand erzählt geschichten aus seinem leben, verwendet tondokumente des ost- und westradios, co-produktionen mit solch namhaften produzenten wie oliver lieb und mijk van dijk, eigene stücke und meditative botschaften. es fängt mit einer flaschenpost an und endet mit dem meeresrauschen der balearen ... viele leute finden das album "zu persönlich". so what?! die sollen sich halt madonna kaufen.

oga: inwieweit habe dich deine langen reisen musikalisch beeinflusst?

marcos: reisen verändern die gesamtheit deines wesens. du siehst armut, reichtum, krankheit, schönheit, tod und teufel, begegnungen, liebe, abschied, angst & einsamkeit. das fliesst alles mit rein in dein wesen; auch in die musik. vergleiche ich mich heute mit dem was ich vor 10 jahren gemacht habe, so sind die unterschiede gar nicht so gross. was wiederum meine these unterstützt, dass man sein wahres wesen gar nicht leugnen kann, sofern man nach wahrheit sucht. was mich auch schon vor jahren trieb.

oga: was planst du zur zeit? wird es wieder radiosendungen mit dir geben?

marcos: es gibt nur noch zwei sender in berlin, bei denen marcos lópez so sein könnte wie marcos lópez: radio eins & multikulti. bei beiden habe ich mich noch nicht bemüht. wie gesagt: im moment ist alles ganz rund. bin ausgelassen & ausgelastet. zum beispiel mit der pressearbeit für das album und den veröffentlichungen die daraus noch gemacht werden. in wenigen tagen kommt z.b. die zweite single "benno/bodo" mit remixen die während meiner zeit in spanien entstanden sind. ausserdem gibt es seit wenigen tagen den ersten trancemix von mir zu kaufen, der in zusammenarbeit mit dem café goa in berlin entstand: "goa°berlin 2001". tja, und dann kriegen meine webmaster ständig kleine bits & bytes, um meine homepage zu betreuen. in den nächsten tagen kann man unter www.marcoslopez.de die gesamte musik, die ich jemals produziert habe, in 30-Sekunden-clips anhören.

oga: du wolltest pfingsten beim "uniquefestival" in kremmen auflegen. in berlin wird seit jahren versucht die loveparade aus dem tiergarten zu verbannen. ihr dagegen besteht geradezu darauf, in mitten der der natur zu feiern. was ist der unterschied?

marcos: das eine hat mit dem anderen echt nichts zu tun! loveparade ist mittlerweile eine ansammlung von hedonisten, die mal für ein wochenende richtig die sau rauslassen wollen. sollen sie; ist ihr gutes recht! die open air partys der trance szene wiederum sind freakig & ökomässig angehaucht mit yogi tee anstatt red bull. sie versammeln auch viele hippies, denen die wasserspritzenden-pumpgunplateauschuhetragenden-ichhabkaumwasan-raver eher ein greul sind. es wird gezeltet und gelagerfeuert. das ganze ist eher der gegenpol zu einer urbanen jugendkultur, die in der loveparade ihr internationales gipfeltreffen feiert. und meiner meinug nach, wäre die allee der kosmonauten in marzahn viel besser geeignet. das ganze dann richtung lichtenberg. den braunen glatzen dort könnte man dann tatsächlich zeigen, wie man feiert ohne den anderen auf die fresse zu hauen.
   







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