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pressespiegel



mushroom magazin, dez. / jan. 2000 / 2001


im februar hatten wir einen artikel im mushroom, in dem sich ein dj zu seiner spiritualität bekannte und über sein vorhaben nach costa rica zu gehen, um seinem guru zu folgen. das war´s dann hier mit dir, dachte ich mir. so kann es also gehen, wenn man alles erreicht hat, wovon viele träumen, dj karriere, radiosendungen machen, mitten drin erfolgreich sein. cool fand ich das, einfach alles sausen zu lassen ... wow! und fast ein jahr später hüpf ich da so auf der earthdance rum und wer legt da auf, als wäre nie was gewesen? ach nee, ist das nicht darshan (aka marcos lópez) ? tatsache! na, das ist ja schwer interessant, dachte ich mir, das willste ja nun genau wissen, was diesen mann nun wieder in diese gefilde zurückgezogen hat!

jennie: du hast dich anfang des jahres nach costa rica aufgemacht, was hast du erlebt, warum bist du wieder da?

darshan: ich möchte keinen reisebericht über costa rica abgeben, die, die abenteuer erleben wollen, sollen selber suchen. ich bin im januar losgezogen, weil die stimme da drinnen unüberhörbar war ... tyohar hat von freiheit und wahrheit gesprochen, hat mich angezogen und ich hab´ alles liegen und stehen gelassen. auto, wohnung, studio verkauft; radio ausgemacht. geplant waren 6 monate, dann bin ich meiner süßen freundin vistara unerwartet & spontan nach australien hinterhergereist: sehnsucht, liebe, 100% . in australien geht´s auch nur 90 tage mit visum, also back to costa rica , wieder für einige monate. der sommer war geplant in deutschland und alles weitere ergibt sich gerade: voov, two moons, earthdance, spanischschule in madrid, platte bei free form, winter in hamburg, frühling vielleicht in südamerika oder galizien & baskenland. ich habe im moment keine großen pläne; ich weiß nur: es ist alles ok. und wenn mich costa rica wieder lockt, dann bin ich wieder da ... und sollten wir uns z.b. ganz doll mögen, verbringen wir soviel zeit miteinander, bis es nicht mehr so ist.

jennie: du bist in madrid gehst zu einer sprachschule, hast du spanische roots?

darshan: mein vater kommt aus madrid, lebt jetzt in valencia. gastarbeiter in den 60ern, schreiner. mama kennen gelernt. familie gegründet. die ist als deutsche in ungarn geboren, nun, die sind weitergezogen: ich bin in zürich auf die welt gekommen und dann haben wir bis zu meinem 5. geburtstag in madrid gewohnt; bin in den kindergarten hier gegangen & als kiddy, wie das hier so üblich ist, mit in den stierkampf & in die kneipe, zum fußball. die eltern haben sich getrennt; danach totalverweigerung des spanischen & jetzt die kraft, alles neu aufzurollen; deswegen die sprachschule.

jennie: was läuft dort an partys, clubs oder kultur?

darshan: partys & clubs? keine ahnung. ich gehe abends nicht weg , weil ich praktisch jeden tag von 8 - 18 uhr in der schule bin; bin echt am pauken. nach dem unterricht, sitze ich am rechner und bereite die nötigen sachen fürs album vor: rechte, verlag, veröffentlichungstermine, grafik, text, fotos, labelcopys, etc. dann übersetze ich den text fürs booklet, das dreisprachig erscheinen wird. zwischendurch gebe ich mir videoschnipsel spanischer geschichte oder kleine grammatikeinheiten. das gute ist: die schule ist die ganze zeit online, ich kann also alles fürs album online erledigen. zurück zu hause, und das heißt in dem appartement meiner cousine yolanda, die im nordwestlichen stadtteil rosas wohnt, sitze ich am album und editiere die sachen, die noch editiert werden müssen. platt & ziemlich durchgerockt knalle ich zwischen 1 und 3 ins bett und stehe jeden morgen gegen 7 uhr auf. next stop: el retiro; da ist die schule, direkt vor dem wunderschönen central-park madrids, in dem ich manchmal joggen oder einfach zwischen den stunden spazieren gehe.

jennie: habe gerade eine scheibe von einem spanier, christian varela, in der plattenkiste, das scheibchen hat südländisches temperament, kennst du den?

darshan: nö. der einzige dj, den ich da kenne, ist dj angel, habe ich zufällig bei meinem ersten besuch in madrids plattenladen "jaxxs" kennen gelernt (liegt im zentrum einer superschönen altstadtstraße im zentrum, in der noch drei weitere plattenläden tür an tür liegen; die strasse heißt "las palmas", am "plaza 2º mayo", die plattenläden sind alle technoid orientiert; in der parallelstraße "la quintana" gibt´s fetten sound für die housefreunde). dj angel wird den remix für die 2. single aus dem album machen, denn als ich in das "jaxxs" kam, lief da gerade eine tribalnummer, die hat mich total weggebeamt und ich hab fast entsetzt aufgeschrien, als ich hörte: ein demo, frisch produziert, nicht zu kaufen! na ja, dj angel habe ich gleich angesprochen. life. die single wird übrigens für einen berliner schauspieler sein, den ich einfach klasse finde.

jennie: du veröffentlichst demnächst etwas bei free form, in welche richtung geht´s musikalisch bei dir?

darshan: ich glaube, ich habe da was gemacht, was noch niemand so gemacht hat. aufgelegt seit 1988, ab 1991 radio gemacht, publizistik, theaterwissenschaft & journalismus studiert. wollte das alles irgendwie zusammenbringen, und habe das auch. das album ist wie eine meiner letzten radiosendungen namens "soundgarden", auf fritz, dem jugendprogramm berlin-brandenburgs, aufgezogen: jingles, o-töne, sounds, interviewschnipsel & trailor. die musik des albums kommt aber von mir und von co-produktionen mit meinen freunden: oliver lieb, chris zippel, namito, mijk van dijk, boris blenn. ich kann jetzt schon sagen: das wird superspaßig & spannend, kurzweilig & nachdenklich zugleich, wie meine radiosendungen eben. ich habe alle sachen in madrid editiert, bei nhb in hamburg gemastert, und du wirst eine bunte reise durch die möglichkeiten der elektronischen vielfalt erleben können: trance, techno, drum & bass, tribal, trip hop, ambient, achwasweisich. ich weiß nicht, in welche kiste ich das alles stecken soll; vielleicht neo-multiplicity?

jennie: was inspiriert dich musikalisch, wovon bist du beeinflusst?

darshan: es gibt auf musik jedweder form, die ich höre, ein inneres echo. als dj pick ich die sachen aus den fächern, bei denen es einfach klick macht. oft sind es die sachen, die ich selber nicht produzieren kann; ganz simpel, oder? als musiker existiert dieses innere echo auch: ein sample, ein sound, ein akkord: du legst dir die sachen auf die tastatur, spielst damit rum, loopst das ganze, schichtest gelungenes mit neuem material und irgendwann macht es dann klick. spätestens hier schaltest du md, dat oder cd-brenner ein, um bei virus oder totalabsturz deines rechners nicht mit leeren händen dazustehen. das ganze wird gespeist aus der quelle der imagination. ab irgendeinem moment korrespondiert das bereits erzeugte mit einer vision der möglichkeiten. und dann gibt es ja noch magische frequenzen und kosmische gesetzmäßigkeiten, z.b. tempo 128 - 132 ist bestens geeignet um deinen puls anzuregen, weil dieses tempo auch der frequenz des herzens im angeregten zustand entspricht; ambient wiederum ist auch deswegen entspannend, weil die oft verwendeten 60-80 beats das tempo der pulsfrequenz im ruhezustand ist. als dj gehe ich jede nacht zu meinen stammesbrüdern: wir feiern ein ritual, ich klopfe die trommel, und die mir anvertraute gruppe hat vertrauen und peitscht sich in gegenseitiger anfeuerung zum befreienden moment der ekstase. urbaner schamanismus der neuzeit ...

jennie: wann wird dein album released und unter welchem titel erscheinen deine produktionen?

darshan: es ist mein erstes album ever. freu mich tierisch darauf, habe irre hart dafür gearbeitet. am 10. februar ist mein geburtstag, und wir werden in hamburg eine schöne record-releaseparty machen. das wird ein fest!!! nun, in der 2. dezemberwoche erscheint die 1. darshan m.lópez maxi für die clubs: "anea" a) retiro mix, b) box of frox mix, w&p: o.lieb/m.l.boncoeur. in der 3. januarwoche erscheint dann das album darshan m. lópez "t@les from a city boy / cuentos de un chico de la ciud@d / geschichten eines st@dtjungen"

jennie: wie wichtig findest du beim auflegen beatmixen im vergleich zu aufbau und auswahl der musikstücke?

darshan: die frage finde ich fast absurd. wer keine beats mischt, ob aus unvermögen, faulheit oder prinzip, hat total verkackt! wer nicht mixen kann, soll zu hause bleiben. alles ist eins: die auswahl, die dramaturgie der stücke = die erzeugte energie, der mix. ich kann diese soße nicht mehr hören, von wegen, er mixt zwar beschissen, aber darauf kommt´s ja nicht an, gell, denn die stücke sind doch klasse, oder? was nützt es mir, kangaroo-mässig in siebenminutensprüngen abzuhoppeln, aber dann zwei tornados ineinander krachen zu hören? trance ist ein wort, das auch bedeutung hat. und trance erzeugt sich aus der gleichförmigen wiederholung monotoner & weniger monotoner strukturen und nicht aus der kurzweiligen wiederholung krasser brüche. wer sein handwerk nicht beherrscht, soll üben! dj-sein ist eine kunst und kunst kommt von können, nicht nur vom bloßen sammeln toller scheiben.

jennie: na, haste technics oder die neuen vestaxplattendreher?

darshan: nix von beiden. habe einen mixbaren minidisc-recorder, kaufe mir platten und cds, überspiele sie, schneide die sachen raus, die mir nicht gefallen, mache neue versionen, loops und remixe und gebe meinem set auch dadurch einen exklusiven anspruch: du kannst versionen von oliver lieb, haldolium oder chi-a.d. hören, die kein anderer dj hat. das ist kreativ und speist sich nicht nur aus den guten beziehungen, die man zu diesem dj und jenem label hat. mein set aus ca. 30 mds befindet sich, genau wie ich, in einer ständigen transformation, es wird immer was rausgeschmissen, um neuem material platz zu machen; das macht einen heidenspaß.

jennie: deine top drei filme?

darshan: 1. the graduate /die reifeprüfung (hab1 den regisseur nicht auf dem schirm s aber dustin hofmann und die musik von simon & garfunkel sind unvergesslich)
2. stanley kubricks 2001: odyssey im weltraum; (hab den dreistunden-film vielleicht schon 20 mal gesehen und immer noch nicht verstanden)
3. magnolia; (in diesem film ist alles über die konsumorientierte welt der neuzeit ausgesagt: lug & betrug, sex, geld , drogen, tod, wunder, liebe, hoffnung, ach was soll ich sagen ; ich war total ausgelutscht nach dem film. und tom cruise ist mein großer bruder. well done, parker!)
   

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