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cosmic baby interview - 08.05.1999 / teil 1 von 3
im "dance under the blue moon", der samstäglichen party-sendung von 22:00-01:00 auf fritz (dem jugendprogramm des orb) war cosmic baby mein gast. er sollte in dieser nacht, nach langer pause, mal wieder in berlin auftreten, im matrix. wir führten ein interessantes und langes gespräch (das ebenfalls von alexej ebner aus leipzig wort für wort transkribiert wurde).
marcos lópez interview mit cosmic baby
@ fritz / orb
samstag 08.05.1999, 22:00-23:00
potsdam babelsberg
teil 1 von 3
marcos: cosmic baby´s neue single "sketches in spring". eine irre, irre lange version, den mogwai-remix nämlich, mit 11:57 minuten hab´ ich an dieser stelle gespielt. als dj-promo, als sie ganz frisch rauskam. ich kann mich eigentlich gar nicht an den monat erinnern, so lang ist es noch nicht her. das war gerade der cosmic baby-remix, den es auch so nur auf der maxi-cd, glaube ich, gibt und das ganze erschienen im original auf seinem album. "heaven" heisst es und damit sage ich hallo und einen wunderschönen guten abend.
cosmic baby: hi marcos, grüss dich.
marcos: ja, wie gestaltet sich so ein sketch in spring für dich am heutigen frühlingsabend, wo du seit jahren schon nicht mehr in berlin gespielt hast?
cosmic baby: ich hab´ noch gar keinen sketch heute. ich bin viel zu aufgeregt, um mir irgendwas so zurechtzulegen. ich hab´ wirklich seit drei jahren nicht mehr in berlin gespielt. und das letzte mal, als ich in berlin gespielt hab´, habe ich mich tierisch unwohl gefühlt. das war in der arena und das ist wohl auch ein grund, warum ich dann drei jahre gebraucht hab´, um wieder in berlin zu spielen. und heut´ als ich so nach berlin gekommen bin, weil gestern hab´ ich in dresden gespielt, hab´ ich mir gedacht: eh, du musst dir jetzt mal überlegen, was du auch an schönen performances in berlin so erlebt hast. und da ist mir eingefallen, dass ich zu meinem geburtstag ´94 im e-werk gespielt hab´, was ein absolut legendärer abend war. und es gab dubmissions und es gab das planet. und jetzt hab´ ich doch ´nen kleinen sketch in spring, grad´ so impliziert.
marcos: warum hast du dich damals so unwohl gefühlt? das war, ich darf kurz erinnern an diejenigen, die vielleicht auch da waren oder eben nicht da waren. es war ein riesiges festival von timewarp, einer konzertveranstaltungsagentur von zwei jungs, die mittlerweile ziemlich gute, sehr futuristische sachen auch machen. timewarp nämlich. und die haben orbital nach berlin geholt. dort hab´ ich orbital als absolute sensation erlebt. und dich hab´ ich auch auf der bühne gesehen, aber du hast dir nicht anmerken lassen, dass das ganze für dich ´ne sache war, die war nicht so schön. warum war das nicht so schön für dich?
cosmic baby: ich hab´ das gefühl gehabt, das war auch die zeit in der ich sowieso ziemlich defensiv war, wenn es drum ging, auf raves aufzutreten. und du hast es angesprochen, timewarp ist ´ne veranstaltung, die spricht eigentlich für sich. und ich fand auch das konzept toll, dass eigentlich mal die musiker im vordergrund stehen. und das eher eigentlich doch ´ne sehr bandorientierte veranstaltung war. aber ich fand das interesse der leute, des publikums, ziemlich low. also sie waren meiner einsicht nach ein bisschen respektlos. also das, was ich oft so ab ´95 auch auf raves erlebt hab´, dass das publikum ziemlich, sagen wir mal ungeordnet, einfach nur was geboten bekommen möchte von den dj´s oder musikern. egal welchen stil sie draufhaben, was sie für persönlichkeit haben. es soll abgehen und zwar von der ersten bis zur letzten minute. man hört dann so lauter, härter, bäh, bäh, bäh. und das hat mich irgendwie frustriert, weil ich nie so in der lage war irgendwie so ´nen athmosphärischen punkt an dem abend zu bekommen, an dem ich einfach mal anfangen kann nicht mehr darüber nachzudenken, dass ich jetzt arbeite. sondern das schönste für ´nen dj oder auch für ´nen musiker ist, wenn er ´ne athmosphäre spürt, wo er wirklich in so ´nem wind segelt, wo er eigentlich gar nicht mehr kontrolliert oder nachvollziehen kann, was er gerade tut. sondern er schwebt mit dem publikum zusammen. und das ist zum beispiel in der arena damals überhaupt nicht passiert meiner ansicht nach.
marcos: war natürlich die grösse, die da nicht so mitspielte. auf der anderen seite kann man sich vielleicht, wenn man das nicht nur als künstler betrachtet, sondern einfach nur als betrachter des ganzen auch vorstellen. das ´95 ja auch schon und ´96 extreme ermüdungserscheinungen aufgetreten sind innerhalb dieser szene. timewarp war ein versuch das konzept zu erneuern, indem man die bands wieder in den vordergrund stellte.
cosmic baby: richtig.
marcos: aber meine güte, wenn die leute nicht so wollen, wie der künstler will, kann man fast ein bisschen nachsehen haben und sagen: hey leute, wenn ihr´s nicht schnallt, geht doch einfach nach hause, war eh teuer genug.
cosmic baby: na logisch. na du musst es aber auch. ich mein´, es ist, ich find´ es ist einfach wichtig, dass du dich auch, das du auch leiden kannst. also das du, wenn du leiden kannst auf der bühne, dann kannst du ja auch ausrasten auf der bühne. also im positiven sinne und kannst dinge machen, die du vorher noch nicht erlebt hast. und das habe ich eigentlich für mich so behalten dieses gefühl. und als ich gemerkt habe, ich leide zu oft, hab´ ich halt die konsequenz gezogen. nicht zu sagen hey leute, dann geht doch nach hause sondern cosmic dann geh´ doch du nach hause oder mach´ was anderes und geh´ woandershin. und das hat sich jetzt wieder geändert. deswegen bin ich jetzt wieder zu einer tournee bereit.
marcos: ok, wir werden gleich über das, was du heute abend spielen wirst, über die tournee, über deine aktuelle musik, aber auch über ein paar alte sachen gleich nochmal reden. das hier im hintergrund ist ein stück das, als es 1994 herauskam, ich unheimlich zu lieben gelernt hab´ und ich hab´ mir immer gewünscht, das ich mal die fähigkeiten besitze, so gut technischerseits produzieren zu können, das ich einfach diese hook nehme und daraus ein richtig fettes dancefloor-stück mache. ist nie was daraus geworden. vielleicht werde ich es irgendwann mal machen.
cosmic baby: eh, du hast noch mindestens dreissig jahre zeit marcos.
marcos: mindestens und bis dahin könnte es ja klappen. das ist übrigens das stück "treptow" aus dem cosmic baby-album "thinking about myself", ´94 auf logic records erschienen. ich hab´ nochmal ein bisschen in die mottenkiste gegriffen und hab´ jetzt ´ne nummer aufgelegt, die damals sehr revolutionär und unverstanden sozusagen letztendlich die plattenregale der insider gefüllt hat. und die leute, die schon immer auf fusionen standen zwischen malerei und tanz, zwischen musik und performance, zwischen sprechen und singen und vielleicht alles zusammen. "futura" war ein projekt, das du mit deiner damaligen freundin ka aufgezogen hast.
cosmic baby: ja.
marcos: ka vom pyro space ballet, die heute immer noch, ja auf sehr hohem niveau veranstaltungen fabriziert. wie zum beispiel auch auf dem potsdamer platz 1996, glaube ich, so ´ne lichtgeschichte unglaublich.
cosmic baby: richtig und ich denke grad wieder jetzt gibt´s im friedrichstadtpalast ein riesenspektakel das heisst "elements" und ich hab´ mir die ganze zeit gedacht: das gibt´s doch gar nicht, das war doch ka´s konzept und es war eigentlich ihre idee. und die wird jetzt von irgendwelchen anderen leuten realisiert.
marcos: ok, wir hören uns erstmal das stück an "futura". ich fand´s damals ziemlich abgefahren und vielleicht könnt ihr uns folgen auf eine vier-minuten-reise im radio-cut.
(ende teil 1 von 3)
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