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aditya sharma interviewt marcos lópez - teil 3


Adi: Gut, aber Du hast bestimmt eine Menge zu erzählen über diese Fassung des Songs „Schöneberg".

Marcos: Schöneberg war eine Produktion, die mit Mijk van Dijk der Beginn einer Freundschaft auf musikalischer Ebene war. Die Freundschaft hatten wir schon in der Uni kultiviert. Wir hatten beide Publizistik studiert, in der Malteser-Straße in Lankwitz, und so haben wir uns getroffen. Er schrieb als Journalist für Frontpage und ich studierte Theaterwissenschaft und Publizistik und war schon als DJ und Moderator bei DT 64 unterwegs.
Dann hat er mir einen Remix von „High on hope“ angeboten. Dieser Remix hat ihm von der Qualität gereicht, so dass er sagte: „Mensch, wenn wir ein bißchen Zeit haben, sollten wir mal was eigenes produzieren.“ Dann sind wir ins Studio und haben das Projekt „Marmion“ gegründet. Daraus sind erst einmal vier Stücke entstanden, die auf der legendären „Berlin EP“ 1993 herauskamen.
Und das war eben „Schöneberg“ im Original. Eine Nummer die sozusagen unseren Ruhm begründete. Natürlich nicht als Megaseller, sondern auf einer kleinen technoiden Ebene im Berliner Underground.

Adi: Ist die EP noch erhältlich?

Marcos: Die Berlin EP gibt es nicht mehr. Das Original ist noch einmal auf den „Superstition Classics“ in einer neu editierten Fassung heraus gekommen. Diese Nummer, die wir eben hörten, war die Grundlage für einen weiteren Remix, der 1994 herauskam. Und dieser „Original Marmion Remix“ von „Schöneberg“ hat es dann tatsächlich in die Hall of Fame der Techno-Trance-Hämmer der Neunziger gebracht, laut einem englischen Magazin. Er hat sich wirklich irre oft verkauft. Wir haben die Einheiten nicht mehr gezählt, aber tatsächlich flattert hier und da noch einmal ein Scheck ein und auf der Abrechnung steht „Marmion Remix“ von „Schöneberg“ und wir sind happy. Es ist zwar nicht die Rente, aber ein kleiner Obulus an den kleinen Darshan.

Adi: Musik war Dein Leben. Vielleicht wird es irgendwann noch einmal Dein Leben. Ich würde gern auf dieses Stück zu sprechen kommen, das wir jetzt im Hintergrund haben. Eine ganz kurze Probe vielleicht erst einmal:

[MUSIK Marcos López-Katapult]

Adi: Ein Song, Marcos, der sehr vom Drum-Sound geprägt ist. Etwas was Du in Deine Sendungen in den letzten Jahre auch angesprochen hast. Du hattest nämlich ganze Special-Reihen, ob Du es nun Ethno- oder Tribal-Beat genannt hast. Die Vermischung von fremdem Elementen in die klassische Clubmusik. War immer für Dich Thema. Wie siehst Du diese Entwicklung jetzt?

Marcos: Ich habe das immer ethno-percussiven Sound genannt, der sich im techno-elektronischen Kontext neu definiert.

Adi: Solche langen Worte kann ich gar nicht sagen. Deswegen ist es schön, dass Du es gesagt hast.

Marcos: Ich habe 1993 und 1994 mit senegalesischen Trommlern die Tribal Raves und die Earth Beats gemacht. Da habe ich einfach sehr percussiv groovende Housemusik und Techno-Musik aufgelegt und die Trommler haben tatsächlich dazu getrommelt. Ich dachte, daraus wird eine eigene Musik-Richtung. Es ist nicht so geworden, wie ich dachte. Sondern ethno-percussive Elemente sind hier und da in den bereits bestehenden Stilblock eingeflossen. Also im Techno zum einen, im House zum anderen, oder auch im Triphop oder Ambient sind sehr viele tribale Elemente verwendet worden. Aber es ist nicht so, wie ich erspürt hatte, dass aus dieser Richtung etwas ganz eigenes wird. Dass man in den Plattenladen geht und neben House und Techno und Triphop auf einmal Tribal steht. Das war nicht so.
Ich habe zu diesem Stück zu sagen, dass es ein wirklich sehr abgefahrenes Stück ist. Auch eine der ganz wenigen Sachen, wo mir kein Producer zur Seite stand. Niemand hat mir irgendwie eine Vorlage gegeben. Es ist ein Stück, wo keine Samples verwendet wurden. Es ist ein reines Stück, das nur mit einer einzigen Maschine entstanden ist: eine legendäre Drum-Maschine von Roland, die „R8“ heißt. Und jetzt wirklich aufgepaßt, das ist kein Joke! Diese Drummaschine gibt es noch zu kaufen. Sie steht im Angebot in einem Plattenladen in der Muskauer Straße in Kreuzberg. Die Maschine soll ungefähr 800 Mark kosten. Das ganze Stück ist wirklich nur mit dieser einen Maschine entstanden. Es heißt „Katapult“ und ist auf „Save the Vinyl“ erschienen – einem Frankfurter Sublabel von „Logic Records“.

Adi: Du hast ja immer in Deiner Sendung diesen Sound gefördert. Das war ja auch ein Aushängeschild Deiner Sendung. Was ist Deiner Meinung nach die Zukunft für diese Elemente, die noch in die Tanzmusik hereinkommen werden? Das Jahr 1999 stand nach meiner Beobachtung eindeutig unter diesem hässlichen Wort „Trance“. Ich weiß nicht, ob Du mit diesem begriff etwas anfangen kannst oder wo Du die Entwicklung siehst.

Marcos:Dass Trance im Jahr 1999 so eine Art Revival gefeiert hat, würde ich fast bestätigen. Hat es aber auch schon ´92, ´93, ´94, ´95 und ´96. Insofern ist das nichts neues. Der Markt versucht, eine Stilrichtung zu etablieren, um die Einheiten irgendwie zu verkaufen. Ich glaube, dass diese elektronische Musik, die eine Entwicklung aus dem Underground war, total kommerzialisiert wird. Weil sich die kleinen Labels mittlerweile so gefestigt haben, dass sie Infrastrukturen, wie Majors aufweisen.
Zum anderen glaube ich, dass aus der Übersättigung mit Trance-Soße, die man auch aus kommerziellen Radiostationen hört, ein Bedürfnis nach neuen Geschichten entsteht, wie sie zum Beispiel im englischen Underground mit Drum and Bass entstanden sind. Es werden Stilrichtungen miteinander fusioniert werden, die noch nie zusammen zu hören waren. Zum Beispiel könnte man sich auch vorstellen: Hardcore-Ambient oder indischer House, wie es zum Beispiel von State of Bengal und auch Joy produziert wurde. Oder vielleicht Psychedelic Rock, der bereits ansatzweise produziert wurde. Das war allerdings nur so, dass Rocker ein bißchen psychedelische Melodiestrukturen spielen. Aber dass zum Beispiel ein komplett elektronisches Set dazu verwendet wird, mit Gitarrenelementen zu arbeiten, das gibt es nur in einzelnen Stücken.
Ich glaube, die Zukunft gehört nach wie vor progressiver Musik, die nicht im Sinne von „Progressive“ vermarktet wird. Sondern Musik, die sich aufmacht, neue Ufer zu ergründen. Man wird forschen: Welche Stilrichtungen sind noch nicht zusammen gebracht worden? Was ist neu? Außerdem erweitern sich auch die Möglichkeiten. Mittlerweile ist es über Harddisk-Recording an jedem PC machbar, einen Track zusammenzuschnippeln. Es kommt zu einer Sozialisierung der Produktionsmittel, dadurch können sich neue Sachen entwickeln.

Adi: Du kommst aus Deutschland, wo die elektronische Musik nicht nur einen Markt hat, sondern auch Leute, die sie sehr genau verfolgen und wo Impulse herkommen. Das gleiche kann man für England und Teile von Amerika sagen, Chicago, Detroit, New York und so weiter. Aber jetzt fährst Du nach Costa Rica. Weißt du was über die Szene dort? Oder kannst Du mir sagen, wie Du Dich dort informieren möchtest?

Marcos: Du bist so wunderbar! Du hakst immer wider nach. Ich habe meinen ganzen Kladderadatsch verkauft, sogar einen Großteil meiner Platten. Von einst zehntausend Platten werden in meinem Keller vielleicht dreitausend gebunkert werden. Das sind die Highlights meiner persönlichen Kicks. So wie andere Leute Fotos sammeln, schaue ich mir eine Platte an und sage: „Aha, das war ´93 in dieser Zeit und jener Club hat diese Nummer extrem abgefeiert.“ Diese Platten stehen jetzt bei Mama im Keller. Der Rest ist wirklich komplett verkauft.

Adi: Aber Du hast mir bestätigt, dass der Mentor der Kommune, Tyohar, auch DJ ist.

Marcos: Er war DJ und wird ab und zu noch Partys feiern, weil im Tanzen rituelles Erleben möglich ist, das im normalen Meditieren gar nicht machbar ist. Musik pustet Deinen Geist durch und wenn Du Dich richtig in die Beats legst, hat das eine sehr befreiende Wirkung. Das wird auch in dieser Kommune zelebriert. Aber nicht mehr im wochenendlichen Streß einer Clubkultur, die feste Strukturen entwickelt hat. Sondern im Verbund mit der Natur, am Strand wo Delphine vorbeischwimmen, mit riesigen Kakadus und Papageien. Da gibt es sogar noch Pumas im Wald. Das ist unglaublich.
Eine Szene gibt es dort nicht. Es wird eine kleine Kommune geben, die ihre eigenen Spielregeln entwickelt. Ich werde für Monate oder Jahre ein Teil davon sein und wenn mir das alles nicht paßt oder mich die Sehnsucht treibt, dann geht es zurück nach Europa oder nach Australien, Tokio oder San Francisco. Ich habe überall mittlerweile Freunde und Bekannte. Dort auf einen Abstecher vorbeizukommen, wäre für beide Seiten ein Erlebnis.

Adi:Da kann ich nur tief seufzen. Du sprichst von Strand, Delphinen und Papageien und läßt uns hier in diesem trüben Wetter zurück. Laß uns einfach mal einen weiteren Song hören! Etwas relaxed klingt der Anfang. Was hören wir jetzt?

Marcos:Es ist ein wunderschönes Stück aus der Remix-Arbeit mit Chris Zippe. Wir hatten die „The Moon & the Sun“-Remixe gemacht und dann planten wir ein „The Moon & the Sun“-Projekt. Entstanden sind drei Maxi-Singles und eine Mini-CD-Compilation. Jetzt hören wir „The Moon & the Sun“ mit dem wunderschönen Stück „Sirius“.

[MUSIK The Moon & the Sun: Sirius]

Adi: Somit wären wir fast am Ende der letzten zwei Stunden. Marcos, jetzt würde ich gerne eine Art Fazit mit Dir ziehen. Ein paar persönlichere Fragen für Dich am Ende. Wir fangen musikalisch an: Was war das musikalisch genialste Erlebnis, das Du je hattest in deiner Karriere als Marcos Lopez?

Marcos: Ich muß tatsächlich sagen: die Fertigung der Berlin-EP mit Mijk van Dijk. Das erste koproduzierte Stück Vinyl, das meine Autorennamen in der Unterzeile trug, in den Clubs gespielt wurde und später in die Annalen der ewigen Techno-Geschichte einging. Das konnte ich nicht ahnen, aber der erste Moment mit dem eigenen Vinyl, auf dem stand „produced by Mijk van Dijk and Marcos Lopez“ und das Stück „Schöneberg“ – das sind unheimlich gute Erinnerungen. Da hatte ich totalen Besitzerstolz. So wie der kleine Dreijährige ins Töpfchen schaut und sich daran freut, so habe ich als Dreißigjähriger auf dieses Vinyl geschaut und gesagt: „Whow, das macht mich glücklich!“

Adi: Das kann ich auf jeden Fall nachvollziehen. Und was war das Highlight in Deinem musikalischen Leben? Etwas, das Dich vielleicht nicht persönlich betroffen hat, sondern wo Du dabei warst und das auch in die Erinnerungen anderer Leute eingegangen sein könnte?

Marcos: Du weißt ja, ich war schon ein Egomane, auch wenn ich hier meine Platten nicht so spielen konnte. Für mich war eine Bestätigung das Verschiffen nach Australien, wo wir eine Marmion-Tour durch die Clubs der Ostküste gemacht haben: Brisbane, Melbourne, Sidney. Fünftausend Leute waren dabei, als wir die Plattennadel angepustet haben und die ersten anfingen, extrem abzuschreien. Das ist auch wieder eine sehr persönliche Sache, aber schon sehr geil.
Am Anfang beeindruckte mich auch der Event der Loveparade, gerade die Jahre ´91 bis ´93 sind mit extrem heftigen Abfeier-Erinnerungen verbunden. Später habe ich gesehen, dass es doch wieder kommerzielle Strukturen bekommt und das Bier am Straßenrand fünf bis zehn Markt kostet. All das war nicht so schön. Aber auf dem Wagen zu stehen und fünfzigtausend, später hunderttausend, später fünfhunderttausend Menschen in den Beat tanzen zu sehen, den man selber schon Ende der Achtziger / Anfang der Neunziger entdeckt hat – das waren auch sehr schöne Momente.

Adi: Und welches Gefühl wirst Du am meisten vermissen, wenn Du Berlin und Deutschland verlassen wirst?

Marcos: Wahrscheinlich geht es um Zuneigung. Es war eine sehr symbiotische, fast ambivalente Geschichte. Am Samstag vor fünfhundert bis tausend Leuten aufzulegen, war wahrscheinlich ein totaler drogenberauschter Zustand. Fast umnebelt. Man war richtig high davon, zu sehen, wie man als DJ eine Wirkung auf eine anvertraute Gruppe hatte, wenn man die Technik beherrschte, Rhythmus, Melodie und Stimmung. Unglaublich!
Allerdings: Dieser Zustand war auch am Sonntag nach den Parties mit einer extremen Leere verbunden. Ich weiß nicht, ob Du von diesem Rock-and-Roll-Syndrom gehört hast: Samstag auf der Bühne, Sonntag an der Flasche. Am Sonntag nach den Partys kamen die schlimmsten Zustände, es war unglaublich. Ich war weniger der Typ, der bis zum Abwinken gefeiert hat, herumgebaggert hat und sich immer mit Gesellschaft nach Hause begab. Wenn mein Set gelaufen war, habe ich nicht mehr gerne abgefeiert. Ich war dann total verausgabt. Wenn ich den Kopfhörer abgelegt habe, hast Du mich zehn Minuten später gesucht und ich war schon backstage und habe geschlafen. Zehn Minuten nach meinem Set! Obwohl ich vorher noch richtig abgefeiert und abgeschrien habe. Ich habe mich so verausgabt und mein Innerstes nach außen gekehrt, dass ich im Moment des Gewahrwerdens, dass die Party gelaufen ist, völlig zusammengekracht bin. Und am Sonntag fühlte ich mich extrem einsam.
Ich werde wahrscheinlich diese spontan entgegen gebrachte Zuneigung vermissen und auf der anderen Seite mich darüber freuen, weil ich jetzt sonntagmorgens nicht mehr alleine aufwachen werde. Sondern mit siebzig bis hundertfünfzig anderen Leuten. Dann gehen wir schwimmen oder machen Gartenarbeit oder kochen zusammen. Ich freue mich extrem drauf.

Adi: Na gut, laß uns das einfach mal so festhalten. Was ich aber auch als persönliches Fazit gern von Dir hören würde, ist wie Du diesen Schritt in diesen Tagen erlebst. Du hast davon gesprochen, dass Du Sachen verkauft hast, die Dir sehr nahe standen. Jetzt ist Deine letzte Sendung fast zu Ende. Du wirst die nächsten sechs Stunden mit Begleitung feiern. Wir dürfen an dieser Stelle auch die Studiogäste begrüßen. Wollt Ihr jetzt ran? Paula und Kyra, guten Abend. Ihr seid seit einer halben Stunde schon da und die ersten Gäste des heutigen Abends. Woher kennt ihr Marcos?

Paula: Marcos hatte mich zugeparkt auf dem Parkplatz vor dem Ostgut. Ich dachte: „Was ist das denn für ein Typ?“ Mit einem Mercedes und parkt so direkt an mir dran, dass ich nicht raus kann. Und ich meinte: „Was soll denn das hier?“

Marcos:Ich habe gesagt: „Mach Dich doch erst mal locker! Jetzt mach doch mal hier nicht so einen Alarm!"

Paula: Ich fand, Du warst total nett. Und später um vier Uhr morgens war Dein Gig vorbei und Du kamst an mein Auto und sagtest: „Mensch, Du sitzt ja immer noch hier!“ Du warst wirklich der Meinung dass ich die ganze Zeit da gesessen habe. Und dann kamen wir ins Gespräch

Adi:Und Kyra?

Kyra: Ich war auch mit im Ostgut und sie hatte mir schon eine SMS aufs Handy geschickt, dass sie so ein Vollidiot zugeparkt hätte. Und dann hat sich morgens um Vier oder Fünf herausgestellt, dass es Marcos war.

Adi: Der Marcos, der jetzt Darshan heißt und nebenbei auch ein Vollidiot war und hoffentlich nicht mehr ist. Marcos, ich würde sagen, ich verabschiede mich jetzt, denn Du kannst ja jetzt im Freistil bis fünf Uhr auflegen. Für alle Leute, die es da draußen nicht mitbekommen haben: Heute Abend kein Bluemoon mit Frau Wosch und Co. Denn Marcos verabschiedet sich in Form eines DJ-Sets, das bis vier Uhr gehen wird. Mit vielen Gästen. Und wir wollten eigentlich noch etwas verlosen, das haben wir vergessen.

Marcos:Ja, aber ich wollte erst noch die Frage beantworten, wie ich diese Tage erlebe. Denn das war das Intro Deiner Rede. Der neue Weg heißt Wahrheit und Mitgefühl, Ehrlichkeit und mit den Dingen sein, die in einem vorgehen. Die Tage sind im Moment so wahnsinnig intensiv und angespannt, dass ich pro Nacht vielleicht vier bis fünf Stunden schlafe. Nicht dass ich Alpträume oder Angst habe. Sondern dieser ganze Prozeß des Loslassens läßt das Ego ganz schön mit den Hosenbeinen schlackern. Ich bin im Moment total verliebt. Meine Süße ist in Bremen. Sie fährt nach Australien. Wir sind vom Lieben Gott kurz bevor es losgehen soll noch einmal zusammengebracht worden.
Vor ein paar Tagen hat mir ein Mensch namens Namitja etwas wunderschönes gesagt. Er ist ein paar Jahre älter als ich und ich fragte: „Was macht man kurz bevor man in eine Richtung aufbricht? Wie läßt man wirklich los? Wie kann man mit so einer Sache umgehen?“ Und dann sagte er zu mir: „Darshan, was machst du mit einer Schneeflocke, die auf Deine Hand fliegt? Willst Du Dir den Arm einfrieren? Willst Du sie schnell aufessen? Willst du sie festhalten? Oder willst Du Dich nicht einfach daran freuen, solange sie ist, und auch schauen, wie sie sich transformiert. Sie verschwindet ja nicht!“ Das hat mir extrem die Augen geöffnet. Es bedeutet, ich soll das große Geschenk der Liebe, das mir gerade widerfahren ist, jede Minute genießen.

Adi: Also im schlimmsten Fall wirst Du Poet, wenn nichts anderes?

Marcos: Das weiß ich nicht. Adi, Du bist so klasse im Nachhaken! Ich weiß nicht was kommt. Am 5. Januar geht mein Flugzeug und in der Nacht komme ich an. Ich werde zwei Tage in San José verbringen und dann mit Begleitung an den Platz geführt werden, wo wir alle wohnen. Und dann schauen wir einfach weiter.

Adi: Aber Du wirst noch Kontakt pflegen mit den Leuten, die hier zurückbleiben? Vor allen mit Deine Fans. Dich kann man ja auch erreichen.

Marcos: Gut dass du das sagst. Ich habe natürlich eine private E-Mail-Adresse in Costa Rica. Ich werde die aber jetzt nicht durchgeben. Aber ein Freund, den ich in den letzten Monaten erst erschlossen habe, der sich jetzt vor kurzem erst getraut hat, mich anzusprechen – der hat tatsächlich schon, fleißig wie er ist, eine Domain angemeldet. www.marcos-lopez.de wird den „Spirit of Marcos Lopez“ in konservieren, weiter bearbeiten und den Leuten zum Nachleben präsentieren.
Das bedeutet: Es gibt eine Domain im Internet „www.marcos-lopez.de“, die jetzt gerade in Konstruktion ist. Man kann jetzt schon draufgehen und mal schauen, dass da ein paar Fotos und ein bißchen Text drauf sind. Und in den nächsten Wochen und Monaten werden da Soundfiles abgestellt, die besten Interviews dieser Sendung, Fotos die gemacht wurden – der ganze Party- und Sendespirit, den es hier zwei Jahre lang gab. Der wird gehegt und gepflegt werden wie ein kleines Blümchen, das jeden Tag gegossen werden kann, wo sich die Leute in eine Mailingliste eintragen können. Und wann immer es neues über marcos-lopez.de aka „Forthcoming Darshan“ geben wird, dann werden die informiert werden. Und sie können dann einfach Kontakt miteinander halten und gegenseitig Tapes tauschen.

Adi: Die Grenzen sind offen. Du kannst ja auch eine Webcam installieren und wir können zuschauen, wie Du morgens Deine Zähne putzt und Deine Banane als Frühstück zu Dir nimmst und die Papageien mit dem Fernglas beobachtest.
Marcos, es geht jetzt los, ich würde aber gerne noch die Verlosung loswerden. Denn wir haben es ja versprochen noch einmal fünf Vinyl-Ausgaben des Songs... Wie hieß der? „Deep regrets“?

Marcos: Es gibt die Vinyl-Ausgabe der ganz neuen Marmion-Single, die erst in den nächsten Tagen herauskommen wird. Sie heißt „5 Years & Tomorrow“ und während wir eben noch die Electric-Universe-Version gehört haben, wir es jetzt den offiziellen Marmion-Cut geben. Das ganze kommt in diesen Wochen in die Trendläden, in die DJ-Vinyl-Läden und wird Anfang des Jahres als Maxi-CD veröffentlicht und später als ganzes Album: „5 Years & Tomorrow“.

Adi: Und wenn ihr an dieser Verlosung teilnehmen wollt ist dies die Nummer, die man anrufen sollte: 0331-7097110. Und ich möchte persönlich und im Namen von Fritz Dir alles gute Wünschen. Vielen Dank für die zwei Jahre wunderbare Sendungen, die Du hier am Freitage gemacht hast. Und ich würde mich natürlich auch freuen, mit Dir in Verbindung zu bleiben. Wenn Du irgendwann mal hier zu Besuch sein solltest ... Wir dürfen das ganze nicht übertreiben. Ich glaube nicht, dass Du ganz von der Bildfläche verschwindest . Eine Flugkarte nach Deutschland kannst du Dir doch immer leisten, oder?

Marcos: Auf jeden Fall. Ich bin im Sommer erst einmal wieder hier. Denn man kann in Costa Rica mit einem Visum nur hundertachtzig Tage bleiben. Dass heißt, der Rückflug geht auf jeden Fall nach Berlin. Haltet vielleicht im Sommer Ausschau bei der einen oder anderen Party! Falls sich ein Veranstalter traut, den Marcos Lopez als Darshan zu buchen, werde ich vielleicht da mein Bestes geben. Zumindest für eine schönen Sommer. Denn die Open-Air-Sommer in Deutschland sind wunderbar, die kann man kaum ersetzen. Das Wetter ist mild, die Nächte sind kurz und der Sound fett.

Adi: Wunderbar. Großartiges Schlußwort! Und die fetten Sounds sollen jetzt für sich sprechen. Wir haben sehr viel über Dich heute abend erfahren. Jetzt soll die Musik sprechen. Du wirst ja im Laufe dieses Abends genug Gäste haben. Du wirst noch weiterhin plaudern und auf Deine ganz persönliche Weise auf diese zwei Jahre und auf Dein Leben zurückblicken. Dir jedenfalls viel Spaß! Wir hören jetzt sechs Stunden lang Marcos Lopez bis vier Uhr. Nach Marcos um vier Uhr gibt es natürlich weitere Sendungen auf Fritz. Aber was ich auf jeden Fall eher sagen sollte ist, dass es nächste Woche und auch die Woche danach bedingt durch Heiligabend und Silvester ein Sonderprogramm auf Fritz geben wird. Und ab dem 7. Januar 2000 gibt es im Freitags-Soundgarden zwischen 20 und 22 Uhr dann Paul van Dyk. Exklusiv hier auf Fritz. Viel Spaß Euch allen! Marcos, gute Nacht!

Marcos: Aditya Sharma, Du alter Inder! Ich schließ Dich in mein Herz und ich danke Dir, dass Du viel Mühe und gute Vorbereitungen über Dich ergehen lassen hast, damit Du einen guten Sound hier fahren kannst.

Adi: Ich habe es gemacht, weil ich Dich auch kennenlernen wollte, Marcos. Wir haben es bisher nie geschafft.

Marcos: Zwei Jahre habe ich Dich versucht einzuladen zum Abendessen. Zu einem Inder, aber da wollest Du partout nicht hin

Adi: Aber wir werden auch in unserer ganz eigenen Weise über die Welt und die Zukunft und Esoterik und Religion und Theologie philosophieren. Bestimmt!

Marcos: Und über Tyohar.

Adi: Gut, es ist mittlerweile 22.12 Uhr und gleich geht es los. Marcos, Du musst Dich jetzt ein bißchen sputen!

Marcos: OK, und jetzt die letzte Nummer. Die aktuelle Single, die es hoffentlich auch bald hier zu hören gibt: „5 Years & Tomorrow“.
   

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