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archiv 2003



wie ein wessi den osten sieht ... anmerkungen zur entwicklung der hörfunklandschaft in der DDR



walter ulbricht und erich honecker waren kraft ihres amtes in der DDR nicht nur 1. generalsekretäre des zentralkomitees der sozialistischen einheitspartei deutschlands (ZK der SED), sondern zugleich "general-chefredakteure" der leitmedien neues deutschland (zeitung), aktuelle kamera (nachrichtensendung) und der nachrichtenagentur ADN, sowie von presse, hörfunk und fernsehen (massenmedien) insgesamt.
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1933-1945
zentrale lenkung der massenmedien vom reichsministerium für volksaufklärung und propaganda der NSDAP (natinonalsozialistische arbeiterpartei deutschlands) [gleichschaltung durch das reichsschriftleitergesetz]

1945-1949
besatzungszeit unter sowjetischer militärkontrolle und aufbau der massenmedien durch deutsche zentralverwaltung für volksbildung (DZVfV) im sinne der SMAD (sowjetische militäradministration)

1949-1989
lenkung und kontrolle der gesamten massenmedien durch die partei der SED

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1940er
bekanntmachung der besiegten mit der kultur der besatzungsmächte durch informationsabteilung der SMAD in sowjetischer besatzungszone (SBZ) [im westen durch kulturabteilungen der westlichen besatzungsmächte]

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dezember 1945
SMAD installiert DZVfV (verantwortlich für volksbildung, kultur, kunst, medien in sst-berlin & SBZ): rundfunkreferat des DZVfV wird zur general-intendanz des deutschen demokratischen demokratischen rundfunks mit SED-nahen intendanten, der politisch-ideologische richtlinienkompetenz im sinne der SMAD besitzt

ab august 1946
aufbau des DDR-rundfunks unter leitung des DZVfV mit föderalen einheiten

oktober / november 1949
auflösung DZVfV, übernahme der rundfunkpolitischen organisation und verwaltung des rundfunks durch amt für information beim ministerpräsidenten der DDR

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1950er
aufgrund der reichweite wird hörfunk das führungsinstrument von politischer und weltanschaulicher indoktrination; bildungsprogramme und kultursendungen bilden neben agitation umfangreiches unterhaltungsprogramm; hörerbindung gelingt durch basisdemokratische maßnahmen (öffentliche veranstaltuzngen) und sendungen (diskussionsrunden)

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1950
aufbau der abteilung agitation und propaganda zur politischen lenkung und zentralisierung der rundfunksender nach sowjetischem vorbild

1952
umzug vom haus des rundfunks (west / masurenalle / charlottenburg) in die nalepastrasse (ost / friedrichshain)

14.08.1952
gründung des staatlichen rundfunkomitees als oberste lenkungs- & leitungsinstanz zur umgestaltung des rundfunks (mit besonderem intendanzbereich deutscher fernsehfunk) nach sowjetischem vorbild (verbesserung der kontrollmöglichkeiten, personaleinsparungen) als vorläufiger schlusspunkt der rundfunkpolitischen zentralisierungsbemühungen (arbeitsbeginn 01.09.1952), ab 01.01.1953 im presseamt beim ministerpräsidenten der DDR integriert, mit aufgabe zur errichtung von drei unterschiedlichen, aufeinander abgestimmten Programmen ...

1952 - 1955
berlin I, berlin II und berlin III

ab 1955
berlin I, berlin II und berlin III werden zu deutschlandsender für BRD-bevölkerung, radio DDR mit landesstudios für information der DDR-bürger, berliner rundfunk als repräsentation der hauptstadt, ab 1958 mit gesonderter berliner welle für west-berliner belegschaft, ab 1959 radio berlin international [RBI] mit sendungen für das ausland)

august 1956 bis 30.09.1968
freiheitssender 904 mit propagandasendungen für BRD nach dortigem verbot der KPD inkl. verschlüsselter durchsagen an agenten

1957/ 1958
einführung der 60/40%-quote: 60% der unterhaltungs- und tanzmusik müssen von komponisten der DDR, sowjetunion und anderen sozialistischen ländern stammen (quote hatte bis 1989 bestehend, war aber seit 1972 nicht wirklich relevant)

ende 1950er
konsolidierung des DDR-hörfunks (aufbau von neuen funkhäusern in bezirkshauptstädten beendet); rolle des fernsehens noch gering eingeschätzt, da geringe verbreitung von tv-geräten und nicht flächendeckenden empfangsmöglichkeiten

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anfang der 1960er
DDR-medien können mit west-medien nicht mithalten; abhördienste überwachen westmedien, sicherheitsbedürfnis verdrängt zunehmend Live-sendungen und vermehrt politische propaganda

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1960 bis 01.07.1972
soldatensender 935 für angehörige der bundeswehr

1963
erste verbote zu themen der menschlichen entfremdung im sozialismus führen zur abkehr von kritischer auseinandersetzung mit DDR-wirklichkeit,

mitte bis ende 1960er
stärkere profilierung der DDR-sender und erhöhung des programmangebots im hörfunk durch zielgruppenorientierte programmplanung; herausbildung der DDR-identität: zwei-staaten-theorie im zentrum von agitation und propaganda

ab september 1964
aufbau einer UKW-senderkette mit regionalsendungen durch radio DDR II

ab dezember 1965
neue phase der kunstzensur

1966
maßnahmenkatalog der abteilung agitation des ZK zur "zurückdrängung des einflusses von westfernsehen und westrundfunk" als kontinuierliche aufgabenstellung des radios bis zur wende

04.09.1968
aufteilung des staatlichen rundfunkkomitees in staatliches komitee für rundfunk (SKR) und staatliches komitee für fernsehen (SKF) beim ministerrat der DDR, fernsehen jetzt primärer träger des ideologischen auftrags

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anfang der 1970er
hörfunk durchläuft differenzierung der programme wie BRD durch übernahme der westlichen magazinprogrammstrukturen (musik und information in differenzierter form [magazin] und kulturorientiertes programm) unter besonderer berücksichtigung der jugendlichen zielgruppe (annäherung der jugendschiene an westliche musikangebote); verringerung der live-sendungen; gesetzliche einschränkungen zur kontrolle der medien (bis 1972 empfang des westfernsehens verboten)

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1980er
[anfang/mitte der 1980er sämtliche sendungen des DDR-fernsehens als aufzeichnungen mit ausnahme der aktuellen kamera, die allerdings den täglichen ´argus´ unterlag und in die mit einer telefonischen D
direktverbindung ins studio jederzeit eingegriffen werden konnte; reglementierungen ausländischer und westdeutscher journalisten durch abteilung "journalistische beziehungen", welche interviews und anfragen im vorfeld klärt, damit nichts der spontaneität und dem zufall überlassen bleibt]

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1983
programmstrukturreform und ausweitung der hörfunkprogramme zugunsten unterhaltungs- und magazinsendungen mit weiterer annäherung an westliche programmstrukturen durch erhöhung des rock- und popmusikanteils; entpolitisierung der unterhaltungsprogramme um hörerbindung zu erhöhen; unterstützung der eigenen musikszene aufgrund devisenmangel für tantiemen

glaubwürdigkeitsverlust durch fehlende problematisierung der gegenwart; mangel an aktualität und auseinandersetzung mit der wirklichkeit; permanent gestörte kommunikationsbeziehung zwischen machtapparat und bevölkerung; freiheit zur eigenen meinungsbildung eingeschränkt; gesellschaftliche psychologie und mediale darstellung der gesellschaft stehen im widerspruch; aufgrund der deformation der gesellschaftsentwicklung durch journalismus = diskrepanz zwischen selbstdarstellung der gesellschaft und den subjektiven erfahrungen ihrer mitbürger

ab mitte der 1980er
- reaktion der DDR auf privaten rundfunk durch ausbau des unterhaltungs-angebots (mit angloamerikanischer pop- & rockmusik im hörfunk und westlichen kinofilmen älteren datums im feernsehen); medien werden zu abspielinstrumenten von unterhaltsamen fremdproduktionen = staatlich verordnete verdrängung auf soziale, politische und ökonomische widersprüche

- reformversuche der medien z.b. durch jugendformat dt64 im hörfunk (ab 1986 mit eigenen Frequenzen, ab 01.12.1987 mit eigener Intendanz) [1989 im Fernsehen mit ELF 99] die heranwachsenden an die eigenen medien zu binden, blieb ohne politische wirkung, da sie keine wirkliche inhaltliche alternative zur abgelehnten medienberichterstattung boten.

- massenflucht im sommer 1989 wurde zunächst genauso totgeschwiegen, wie probleme der volkwirtschaft und fehlender Umweltschutz

- fortschreitender verbot zu themen der menschlichen entfremdung im sozialismus führen zur abkehr von kritischer auseinandersetzung mit DDR-wirklichkeit; es entstehen "schablonen" der berichterstattung

- die umkehrung der berichterstattung (von der staatsbürgerlichen erziehung und propaganda zur ungeschminkten darstellung der wirklichkeit) führte zur erneuten flucht ins unterhaltende

ab 1989 November
personalpolitische zäsur im rundfunk und fernsehen der DDR

18.10.1989
auflösung der abteilung agitation und propaganda beim ZK der SED

21.12.1989
auflösung der staatlichen komitees für rundfunk und fernsehen mit rechtsnachfolger rundfunk der DDR (+ generalintendant) und fernsehen der DDR (+ generalintendant)

1990
radio in der DDR kurz vor der transformation des mediensystems durch auflösung der zentralen strukturen und neugestaltung durch bildung von landesrundfunkprogrammen:
- stimme der DDR
- radio DDR I & II mit mehreren täglichen regionalsendungen
- berliner rundfunk
- radio berlin international (RBI),
- dt64
als einrichtung des ministerrats (staatsfunk / "resonanzkörper der SED") [z.B. 06.05.1990 antenne brandenburg als 1. landesrundfunksender, 16.06.1990 eutschlandsender und radio DDR II werden zu DS kultur, ab 01.08.1990 radio aktuell [aus radio DDR I], berliner rundfunk und 5 landesprogramme)

25.09.1990
aus rundfunk der DDR wird funkhaus berlin,

02.10.1990
frequenzen von radio berlin international werden um mitternacht von deutscher welle übernommen

ab 08.11.1990
rudolf mühlfenzel überführt in der "einrichtung" das mediensystem der ehemaligen DDR in die medienstrukturen der BRD

1991
planung und aufbau der landesrundfunkhäuser, unterzeichnung des rundfunkstaatsvertrags

zum 31.12.1991
beendigung der "einrichtung"

01.01.1992
kündigung sämtlicher mitarbeiter der "einrichtung"; landesrundfunkanstalten nehmen sendebetrieb in den neuen bundesländern auf; aufnahme von MDR und ORB in die ARD

01.07.1992
dt64 geht in MDR sputnik auf

1993
beginn des deutschlandradio als nationales programm aus RIAS und DS kultur
   







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