musikjournalist, dj-artist, redakteur
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über 50 dt64-radiosendungen & dt64-dj-mixe
von und mit marcos lópez hier!
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neuigkeiten

neu auf dieser seite:
* soundgarden 04.09.1998
* Theaterprojekt MITSPIELGELEGENHEIT e.V.
* am 01. april 2007 startete die red@ktion musik
* mp3-cd berlin collection 1991-1992 vol.1 & vol.2
* geschichten eines st@dtjungen: juli - dezember 2005 (teil 1)
* geschichten eines st@dtjungen: juli - dezember 2005 (teil 2)
* geschichten eines st@dtjungen: juli - dezember 2005 (teil 3)
* geschichten eines st@dtjungen: juli - dezember 2005 (teil 4)
* geschichten eines st@dtjungen: juli - dezember 2005 (teil 5)
* wie ein wessi den osten sieht ... teil 1






soundgarden 04.09.1998

diese zweistündige soundgarden ist zu 100% erhalten. part 1, die erste halbe stunde (20:00 - 20:30), und part 3, die letzte halbe stunde (21:30 - 22:00) wurden auf einer cd vereint. die mittlere stunde (20:30-21:30) kam mit einem gelungenen trance-mix auf eine eigene cd.

cd 1 bietet in der ersten halbe stunde einen vom englischen trance-label platipus gefertigten remix des simple minds-songs "waterfront", welcher von einem weiteren simple minds klassiker gefolgt wird: "theme for great cities" (ein lópez-lieblingstrack!). mit montauk p und dem eon-projekt folgen zwei tracks, die psychedelischen tiefgang garantieren und die erste halbe stunde auf hohem niveau beschließen.

auf einem langen latin-remix eines sven väth-stückes wurde die letzte halbe stunde eingeleitet, begleitet von zahlreichen partyhinweisen. bunt folgten air, anthony rother sowie ohm square in den stilrichtungen space-folk, electro und drum'n'bass.

cd 2 beinhaltet den oben besprochenen live-mix der mittleren stunde (20:30 - 21:30), welcher neueste trance tracks präsentierte. dabei waren: blue, borgia (!!! - grandios...), crazy malamute, the art of trance, india, xpq feat. cheyenne, dungeon keeper, u.a.

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soundgarden @ fritz 04.09.1998 / 20:00 - 22:00
radiosendung von marcos lópez mit dj livemix

cd 1 [65:43]
cd 2 [57:56]
ukb: 10 €
email: darshan@web.de

weitere radiosendungen & dj-mixe im schnellen überblick...   

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Theaterprojekt MITSPIELGELEGENHEIT e.V.

Ich betreue seit 2007 die Website des theaterpädagogischen Projektes Mitspielgelegenheit e.V. Konzept und Entwicklung haben wir gemeinsam umgesetzt und ich möchte es euch empfehlen.

Theater für Kinder, Jugendliche und Senioren - so könnte man das Motto kurz zusammenfassen. Dabei werden die unterschiedlichsten Kurse angeboten, überwiegend an Schulen, in Seniorenheimen und in Kindergärten.

Durch die Arbeit der Mitspielgelegenheit e.V. kommen Kinder früh in Kontakt mit dem kreativen Effekt, den Theater auslösen kann, Jugendliche können sich in verschiedensten Rollen ausprobieren und ältere Mitbürger erleben so, dass sie noch längst nicht zum alten Eisen gehören, dass sie noch etwas können.

Ein tolles Projekt. Empfehlt es weiter!
www.mitspielgelegenheit-berlin.de   

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am 01. april 2007 startete die red@ktion musik

hallo liebe leute. wie ende letzten jahres angekündigt, gibt es neuigkeiten bezüglich meiner beruflichen zukunft. ich habe dafür eine pressemitteilung verfasst und die könnt ihr als pdf dowloaden, lesen, verschicken, weiterleiten, ausdrucken, an die wand hängen und und und ...

beachtet auch bitte das foto, am ende des artikels. euer lieblings-dj marcos lópez wird nämlich mit seinem lieblingsperser namito aus anlass dieses freudigen eregnisses zum ersten mal seit fast 18 monaten wieder mal eine party rocken! und das in berlins club mit dem besten soundsystem. ich freue mich, euch alle mal wieder zu sehen !!! marcos (montag, 12.03.07 / 23:58)
www.redaktion-musik.de   

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mp3-cd berlin collection 1991-1992 vol.1 & vol.2

lang ist es her: am 23.07.2005 wurde auf dieser seite zum letzten mal ein dj-mix bzw. eine radiosendung bearbeitet und als audio bzw. mp3 angeboten. der grund ist simpel: das leben hatte einen voll in der mache.

nach meinem jahr als redakteur bei radio eins tat sich 9 lange monate nicht viel. die stimmung war streckenweise nicht besonders gut. denn: wenn man strukturen durchschaut, die einem nicht schmecken und dennoch nicht umhin kann, entscheidungen zu treffen, stellen sich so einige fragen. zum beispiel: "wie soll es weiter gehen? was mache ich jetzt? was werde ich in zukunft machen?" die erkenntnis über diese zwickmühlen kann frustrierend sein ... und ist doch für alle gleich. entscheidend ist hierbei nur die sichtweise.

mit etwas rückenwind schrieb ich im märz 2006 eine bewerbung an die loveparade gmbh. "neuer boss, neue chance1" dachte ich. und siehe da: nach meinem malta-urlaub im april sah ich mich plötzlich am 8. mai meine arbeit als leiter der öffentlichkeitsarbeit loveparade 2006 aufnehmen. "public relation manager / print", so der offizielle titel, mit visitenkarte, assistentin, telefon und pi pa po.

ich habe in den darauf folgenden wochen sämtliche pressemeldungen für die loveparade 2006 verfasst, einen medienplan erstellt, interviews zusammen mit dem pressesprecher maurice maué und dem sympathischen boss rainer schaller vorbereitet, die massenmedien kontaktiert, gespräche mit den ressortleitern gesucht und mitgeholfen, die allseits vorhandene zurückhaltung gegenüber der "verbrannten erde loveparade" innerhalb weniger wochen in eine wieder aufflammende neugier und eine neue chance "pro loveparade" umzuwandeln. kurzum: die gesamte pressearbeit organisiert und bewältigt.

wie mehr als 800.000 besucher am 15. juli auf der straße des 17. juni und mehrere millionen auf rtl II und viva sehen konnten: "the love is back" war ein voller erfolg, lob gab es von allen seiten. von meiner seite her kann ich nur sagen, es hat extrem spaß gemacht, eine solch große verantwortung zu tragen.

für meine berufliche zukunft hat dieser job die weichen gestellt. ich mache gerade eine weiterbildung zum webdesigner, damit ich meine journalistischen inhalte demnächst professioneller ins netz stellen und designen kann. eine neue geschäftsidee wird euch im nächsten jahr vorgestellt. soweit so gut ...

***

nun zu den zwei neuen mp3-cds berlin collection 1991-1992 vol.1 & vol.2: im august und september 2006 habe ich drei komplette digitale audio tapes (dats) mit insgesamt 16 dj-mixen digitalisiert. die drei dats beinhalten die essenz meines frühen dj-sounds. ich habe die besten meiner monatlichen cassetten-mixe, die ich seit den 1980ern aufgenommen habe nach und nach auf dat überspielt. so wollte ich den schleichenden qualitätsverlust der audio-cassetten zuvorkommen. 1993 habe ich dann auch die besten trance mixe von 1991 und 1992 auf dat überspielt. der originaltitel dieser dats war "berlin collection".

die 16 dj mixe der berlin collection umspannen eine zeit von oktober 1991 bis mai 1992. eine zeit, als die grenzen innerhalb der familie techno noch nicht so scharf gezeichnet waren und es fließende übergänge zwischen den einzelnen stilrichtungen gab. der trance der frühen 90er war noch jungfräulich und gnadenlos schön, musik von einer unglaublichen verspieltheit und melancholischen tiefe, die 15 jahre (und mehr) nach ihrer veröffentlichung immer noch berührt (mich zumindest ...).

als ich diese mixe überspielt habe, um sie nach und nach leicht zu mastern, wurde ich unerwartet heftigst geflasht. großartige songs, die ich vermeintlich vergessen hatte, ließen plötzlich alte erinnerungen wieder auferstehen und stimmungen hochkommen, die unverrückbar mit einer superspannenden periode der modernen tanzmusik verbunden sind. ich war mittendrin in diesem konzert der elektronischen musik, war maestro und zuschauer, dj und tänzer zugleich.

mein sinn fürs bewahren und für den wert meiner arbeit haben mich damals schon rechtzeitig meine musikalischen aufnahmen konservieren lassen. viele jahre später kann man nun diese "akustischen fotografien" (wie ich zu diesen aufnahmen zu sagen pflege) glücklicherweise nochmal genießen. solltet ihr schon einige von meinen mp3-cds haben, dann weiß ich genau, dass die berlin collection 1991-1992 vol.1 & vol.2 eure sammlung weiter veredeln wird.

pro cd sind 8 mixe in einer qualitativ hohen auflösung von 256 kbit/s (mit variabler bitrate = vbr) enthalten, die spielzeit pro cd beträgt fast 6 stunden. die cds kosten einzeln jeweils 10 euro, zusammen 15 euro + versand 2 euro. auf anfrage gibt es die jeweiligen mixe auch als audio, preis pro cd beträgt 5 euro, versand 2 - 3 euro. anfragen bitte an darshan@web.de.


beste grüße, euer marcos [ berlin-neukölln | 04. oktober 2006 | 20:33 / update: 09. oktober 2006 | 12:30 ]

***

zusammenfassung

mp3-cds:
berlin collection 1991-1992 vol.1
berlin collection 1991-1992 vol.2

spielzeit:
zusammen über 13 stunden !!!

preis:
jeweils 10 euro, zusammen 15 euro

auf anfrage:
audio-cds der jeweiligen mixe, preis 5 euro pro cd

versand:
2 - 3 euro

***

tracklisting

MP3-CD berlin collection 1991-1992 vol.1

01. oktober 1991
[original titel der cassette "housebase intro"]
[92,3 mb]

02. oktober 1991
[original b-seite]
[91,2 mb]

03. november 1991
[93,1 mb]

04. november 1991
[original titel der cassette "global grooves a-side"]
[59,5 mb]

05. november 1991
[original titel der cassette "global grooves side"]
[62,9 mb]

06. dezember 1991
[original titel der cassette "lópez-power a-side"]
[90,3 mb]

07. dezember 1991
[original titel der cassette "lópez-power b-side"]
[92,3 mb]

08. dezember 1991
[collection berlin 15.10.1992 originaltitel der cassette "te-te-tekkno"]
[90,4 mb]

gesamtspielzeit: 344 minuten, 35 sekunden

***

MP3-CD berlin collection 1991-1992 vol.2

01. januar 1992
[collection berlin 15.10.1992 a-seite]
[92,6 mb]

02. januar 1992
[collection berlin 15.10.1992 b-seite]
[92,9 mb]

03. januar 1992
[collection berlin 15.10.1992 b-seite der cassette "te-te-tekkno"]
[38,4 mb]

04. februar II 1992
[collection berlin 26.10.1992 a-seite]
[85,1 mb]

05. märz 1992
[collection berlin 26.10.1992 a-seite]
[85,1 mb]

06. april 1992
[collection berlin 26.10.1992 a-seite]
[86,4 mb]

07. 17.mai 1992
[collection berlin 26.10.1992 originaltitel der cassette "im walfisch a-seite"]
[75,2 mb]

08. 17.mai 1992
[collection berlin 26.10.1992 originaltitel der cassette "im walfisch b-seite"]
[88,8 mb]

gesamtspielzeit: 328 minuten, 42 sekunden

***

fotos:
1. cd-cover berlin collection 1991-1992 vol.1
2. cd-cover berlin collection 1991-1992 vol.2
3. pressesprecher maurice maué & marcos lópez @ loveparade 2006

(bitte auf fotos klicken für vergrößerung)
   

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geschichten eines st@dtjungen: juli - dezember 2005 (teil 1)

mit einer kleinen nicht allzu teuren digi-cam im handgepäck entstanden von juli bis dezember 2005 einige ganz wunderbare fotos, die sich hoffentlich nicht nur dem auge desjenigen erschließen, der für die fotos verantwortlich zeichnete. im besten falle erzeugen sie auch im auge des gemeinen betrachters diesen aha-effekt, der sich aus dem metasprachlichen eines jeden dinges und jeder sache ergeben kann - sofern man für das mysteriöse alphabet von schwingungen empfänglich ist. die serie an bildern trägt den schönen titel "geschichten eines st@dtjungen: juli bis dezember 2005"; der fotograf führt sich selbst mit seinem namen ein: vincent boncoeur.

"geschichten eines st@dtjungen: juli - dezember 2005 (teil 1)"

foto 01: berlin / weserstrasse 24 august 2005
foto 02: berlin / alexanderplatz oktober 2005
foto 03: berlin / insel der jugend november 2005
   

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geschichten eines st@dtjungen: juli - dezember 2005 (teil 2)

"h'iddensee, eigentlich hiddensoe, sandinsel westlich von rügen; sommerfrische, vogelwarte" aus: der volksbrockhaus, wiesbaden 1972, s. 397

foto 04: stefanie am leuchtturm hiddensee / august 2005
foto 05: stefanie am strand von darß / august 2005
foto 06: marcos auf hiddeensee / august 2005
   

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geschichten eines st@dtjungen: juli - dezember 2005 (teil 3)

"der sommer zeigte sich durchgehend von der angenehmen seite: es wurde geradelt, in der sonne gebadet, bier getrunken ... und die blumen waren auch zufrieden. es war ein september, der denen, die neukölln nur von der schlechten seite kennen, auch ein anderes gesicht berlins hätte zeigen können - sofern sie interesse aufbrächten und den mut, aus ihrer bequemlichkeit herauszutreten, damit platz für neue eindrücke entstünde ..."

foto 07: sommer in neukölln / september 2005
foto 08: stefanie + marcos @ treptower park / september 2005
foto 09: stefanie @ treptow hafen / september 2005
   

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geschichten eines st@dtjungen: juli - dezember 2005 (teil 4)

"die bloße beschreibung von kurzen momenten der verbrüderung zwischen vermeintlich so ungleichen gegnern - z.b. das tor-torpedo und der machtlose abwehrspieler - erzeugen regelmäßig einen ehrfürchtigen schauer auf meinem körper; gänsehaut, die eine art unkontrollierter applaus meines höheren selbst an die kleinen momente wortloser wahrheit darstellt ..."

foto 10: herbst in hannover, braunschweiger platz / november 2005
foto 11: rhino im zoo hannover / november 2005
foto 12: stefanie + marcos @ u-bahn hannover / november 2005
   

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geschichten eines st@dtjungen: juli - dezember 2005 (teil 5)

"es geht um die erkentniss, dass jeder einzelne verantwortung übernehmen muss, mit seiner kraft verantwortung übernehmen kann, um dinge gemäß seiner vorstellung zu verändern ... das mag nicht immer funktionieren, aber mit gleichgültigkeit und politikverdrossenheit nährt man nicht das prinzip der hoffnung, sondern vergibt eine chance zur gestaltung. ohne hoffnung kein morgen."

foto 13: winter in neukölln, sonnenallee / dezember 2005
foto 14: weser witch project / dezember 2005
foto 15: marcos lópez / dezember 2005
   

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wie ein wessi den osten sieht ... teil 1

nur drei monate nach der wiedervereinigung, bei der die am 07.10.1949 gegründete ddr nach fast 41 jähriger existenz am 03.10.1990 der bundesrepublik beitrat und damit geschichte wurde, durfte ich anfang januar 1991 beim jugendradio der ex-ddr dt64 anheuern und mit einer mittäglichen dance-sendung ("step on", mo-fr von 13-14 uhr) ein großes gebiet beschallen (da man aufgrund der frequenz- verteilungen dt64 in berlin, rügen und nürnberg hören konnte). diese seit 1986 mit eigenen frequenzen versehene radiostation und die fernsehsendung elf 99 waren letzte medienpolitische rettungsversuche, die jugendliche bevölkerung der ddr mit eigenen programmen zu erreichen. ca. 80% der ddr-bürger hatten in der endphase ihrer nation westmedien genutzt.

13 jahre danach habe ich mich nochmals intensiv mit der situation der wende, der wiedervereinigung, und dem winter 1990/1991 beschäftigt und bin zu dem schluss gekommen: obwohl ich zu dem zeitpunkt kommunikationswissenschaften studierte, habe ich überhaupt nicht begriffen, wie besonders die situation war, nur ein knappes jahr nach der maueröffnung vom 09.11.1989 im funkhaus nalepastrasse zu arbeiten, und wo noch vor kurzem das staatliche komitee für rundfunk im auftrag der abteilung agitation und propaganda des zk der sed den gesamten ddr-rundfunk angeleitet, gelenkt, und kontrolliert hatte. ich bin da als arroganter westschnösel eingeritten - aus dem westen, aus spanien, aus dem kapitalismus, aus dem konsum, aus dem techno -, habe mich wenig um die leute geschert, dachte "ich bin der beste!" und fand die anderen teilweise ziemlich blöd: die sahen anders aus, die rochen anders, die sprachen anders - und mir gefiel das meiste nicht ... oder ich verstand es vielleicht auch nicht. das ein land plötzlich aufhörte zu exisiteren, dass man den leuten ihre existenziellen grundlagen genommen hatte, ihre identifikation und perspektiven, hatte ich, wenn überhaupt, ganz weit nach hinten gedrängt. so wie viele andere wohl auch, fühlte man sich im umgang mit den "ossis" zunächst wie ein gewinner: "unser system hat gesiegt, wir haben mehr geld und du bist ein bisschen zurückgeblieben!" das sprach niemand aus, aber ich weiss, dass das viele dachten - und sich auch so benahmen.

bei mir hat es einige zeit gedauert, bis ich die anderen deutschen nicht als ´eroberer´ wahrnahm: sie hatten einen anderen umgang miteinander, waren fürsorglich, herzlich und nicht so auf äußerlichkeiten fixiert. die zuneigung, die mir im laufe meiner dj karriere dann von dieser seite zuteil wurde, war ein großes geschenk (und einige kontakte, die 1991 ihren euphorischen anfang nahmen, halten bis heute an). wenn eine selbsteinschätzung an dieser stelle erlaubt ist, dann wirkte ich für bestimmte leute sicherlich als integrations- und identifikationsfigur; nicht immer bin ich mir dieser verantwortung bewusst gewesen oder habe sie gar immer ehrenhaft bewältigt. wie auch? zu viel feuer im system, man brannte lichterloh und denkt mitte 20 in leonardo di caprio´scher manier: i´m the king of the world !!!" und eigentlich wollte ich immer nur eines: musik spielen, die ich so liebe, sie anderen zeigen und sie an meiner freude teilhaben lassen. nicht mehr und nicht weniger. alles andere war politik, paktieren, taktieren. keinen bock!

ich habe 13 jahre nach der ddr die zeit gefunden, mich mit diesem land zu beschäftigen, den strukturen, der politik, der gesellschaft, dem mediensystem und im besonderen dem hörfunk. die entstandenen aufsätze werden in den nächsten wochen hier auf der homepage veröffentlicht und von den mp3s im dezember 2003 begleitet werden, einer kompletten dt64-sendung aus dem august 1993 (partyzone, 21.08.1993, 19-24 uhr), als das jugendradio nur noch auf mittelwelle bzw. über satellit und kabel zu empfangen war. diese zeilen sind nicht als erneute provokation zu verstehen, sondern als persönliches bekenntnis, das gerne auch zur diskussion dienen kann. denn dem gelobten "wir sind das volk!" folgte zwar "wir sind ein volk!". tendenziell komme ich mir aber in diesem lande vor, als ob auf den transparenten der anstehenden demos demnächst "wir sind kein volk!" stehen müsste. der fremdenhass geht mir auf den senkel, der neid und das ewige gejammer ebenso. deutsch ist, wer hier lebt und sich zu diesem land bekennt, seinen werten und seinen leuten. in diesem sinne ... fühlt euch umarmt. kommentare, anregungen und kritik sind jederzeit erwünscht. marcos (30.11.2003 / 6:00)


"hörfunk im sozialismus der DDR -
funktionen, ausbildung, anspruch und wirklichkeit"

>>> teil 1: sozialismus in der ddr

im "real existierenden sozialismus", dem herrschenden gesellschaftssystem der sich 07.10.1949 aus der sowjetischen besatzungszone (sbz) herausgebildeten deutschen demokratischen republik (ddr), wurden sämtliche massenmedien (presse, hörfunk, fernsehen, sowie die buch- und filmproduktion) von der sed, der sozialistischen einheitspartei deutschlands, 40 jahre lang, von 1949-1989, zentral angeleitet, gelenkt und kontrolliert. als ein instrument der herrschenden partei sollten sie im sozialismus, der ersten postkapitalistischen historischen phase auf dem weg zum kommunismus, der arbeiterklasse zur politischen macht durch die diktatur des proletariats verhelfen (was zugleich die niederhaltung der ausbeuterklasse bedeutete). das fundamentalistische dogmengebäude des sozialismus, welches die lehre des marxismus-leninismus als erklärung und sinngebung der realität mit quasi-religiösem verbindlich auslegte, wurde von der im April 1946 aus der zwangsvereinigung von kpd und spd, der kommunistischen partei deutschlands und der sozialdemokratischen deutschlands, hervorgehenden sed angeführt, die sich das recht auf diese rolle auch in den grundsätzen der verfassung garantieren ließ. in diesem zukunftsorientierten staatsbürgerlichen erziehungsprojekt für einen "neuen, besseren menschen" mit einer "allseitig gebildeten persönlichkeit" und einer "sozialistischen lebensweise" wurden produktionsmittel als gesellschaftliches eigentum zwangskollektiviert, d.h. privates wurde enteignet – dieser prozess war bis 1960 abgeschlossen –, und die massenmedien als leitungsinstrument der partei für die gesellschaftspolitische überzeugungs- und erziehungsarbeit eingesetzt. die massenmedien – und damit auch der hörfunk – dienten der durchsetzung der politik auf dem weg zur proletarischen revolution sowie zur machterhaltung der partei und ihrer absicherung gegenüber äußeren einflüssen. (marcos lópez im november 2003)


empfohlene literatur (alphabetischer reihenfolge):
01) eppelmann, rainer
"lexikon des DDR-sozialismus -
das staats- und gesellschaftssystem der deutschen demokratischen republik"
paderborn: ferdinand schöningh, 1996

02) holzweißig, günter
"massenmedien in der DDR"
berlin: verlag gebrüder holzapfel, 1989

03) holzweißig, günter
"die schärfste waffe der partei -
eine mediengeschichte der DDR"
köln: böhlau verlag, 2002

04) noelle-neumann, elisabeth (hg)
"fischer lexikon -
publizistik massenkommunikation"
frankfurt am main: fischer, 2002

05) raue, günter
"geschichte des journalismus in der DDR 1945 - 1961"
leipzig, 1986

07) riedel, heide
"rundfunk und fernsehen in der DDR"
köln, 1977

08) traumann, gudrun
"journalistik in der DDR"
münchen-pullach: verlag dokumentation saur, 1971

09) "wörterbuch der sozialistischen journalistik"
sektion journalistik karl-marx-universität leipzig, 1981
ausgesuchte daten zur geschichte der DDR ...   

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wie ein wessi den osten sieht ... teil 5

dies ist der vorerst letzte teil zur betrachtung der massenmedien und insbesondere des hörfunks in der DDR. teil 1 bis 5 + die weiterführenden zeittafeln und ergänzungen werden demnächst in ein dokument gepackt und können heruntergeladen bzw. per email versendet werden. so habe ich, mit 13 jahren abstand nach dem zusammenbruch dieses sozialistischen landes, durch das massenmediale fernglas schauend, die DDR verstanden.

"hörfunk im sozialismus der DDR –
funktionen, ausbildung, anspruch und wirklichkeit"

teil 5: anspruch und wirklichkeit

pressefreiheit und verfassung
während die verfassung der DDR von 1949 in artikel 9 noch ausdrücklich auf eine zensur verzichtete, wurde in der neuauflage von 1968 die erwähnung von zensur vermieden. stattdessen wurde artikel 27 eingeführt, der in absatz 2 "die freiheit der presse, des rundfunks und des Fernsehens gewährleistet". nach westlichem rechtsverständnis wird diese 'pressefreiheit' in artikel 28 näher bestimmt, aber zugleich von diesem, als auch von artikel 6 bzw. artikel 27, absatz 1, wieder eingeschränkt, wo jegliches handeln im staate "den grundsätzen der verfassung gemäß" faktisch bedeutete, dass die führende rolle der SED anerkannt (= nicht in frage gestellt) wurde, ergo es zur fast resignierenden logik kommen musste: "die Partei hat immer recht!". die abstinenz des wortes 'zensur' in der DDR-verfassung von 1968, welche die einheit der nation unter sozialistischen bedingungen anstrebte, legitimierte zudem indirekt die stattfindenden zensurmaßnahmen, da sich niemand auf verankerte grundrechte dieser art berufen konnte.

das meinungs- und machtmonopol und der mangel an vertrauen
das dadurch entstehende meinungsmonopol unterdrückte eine freie presse bzw. freie massenmedien, was zudem pseudowissenschaftlich durch die lehren des marxismus - leninismus gefördert wurde. Die kommunistische ideologie stützte zudem das machtmonopol in den händen der SED-führung. "die diktatur des proletariats" war bei genauer betrachtung jedoch eine bürgerlich-dekadente elite, ausgestattet mit privilegien und macht wie kaum eine andere gruppe in der sozialistischen gesellschaft – diktatorische, autoritäre elemente im real existierenden sozialismus, welche die massenmedien und, aufgrund seiner reichweite besonders den hörfunk - die "zeitung ohne papier", die jeden "überall und ohne entfernung" erreichen konnte - mit einer systemimmanenten funktionszuweisung versahen. dieser umstand zeigte aber zugleich den systemkonflikt auf deutliche weise an: gerade die agitationsbürokratische anleitung durch besondere abteilungen des ZK der SED (agitation und propaganda / presseamt beim vorsitzenden desministerrats der DDR) und hierbei die besondere rolle des mfs bei der politisch-operativen sicherung der zentralen massenmedien (deren mitarbeiter bis 1989 auf 174.000 angewachsen waren) offenbarte den mangel an vertrauen der mührung in das bewusstsein der werktätigen für den sozialismus als notwendigen schritt auf dem weg zum kommunismus.

isolation und destabilisierung
die medien waren ein spiegelbild der konsolidierung der politischen Führung, d.h. solange das land von der partei der arbeiterklasse regiert wurde, machten sie alles richtig. die dadurch zwangsläufig stattfindende isolierung und abschirmung nach außen gelang im hörfunk (und auch fernsehen) nur bedingt, denn durch die besonders in grenzgebieten stattfindende "medienosmose", wo hörfunk und fernsehen keine rücksicht auf territoriale grenzen nahmen und beständig die bürger der DDR mit glaubwürdigeren informationen aus dem eigenen Land versorgten, wirkten die westlichen medien und besonders die populären programme des RIAS, sender freies berlin und des deutschlandfunks als permanenter destabilisierungsfaktor, die das meinungsmonopol im totalitären informationssystem aufweichten und zudem von einer anderen real existierenden deutschen realität berichteten.

west-medien
80% der DDR-bevölkerung griffen dabei auf westmedien zurück, was sowohl die höhere publikumsanbindung der programme von ARD, ZDF und privaten anbietern aufzeigte, als auch ihre glaubwürdigkeit dokumentierte. in diesen programmen fand man vor allen Dingen eine kritischere auseinadersetzung mit dem eigenen system und der eigenen realität, die vor allen dingen aus dem widerspruch von Ideologie und praxis bestimmt war: es galt die persönlichkeit in richtung idealbild des sozialistischen und kommunistischen menschen zu entwickeln und in das kollektiv für eine bessere gesellschaft einzubringen – während eine kollabierende wirtschaft, eine marode infrastruktur und eine zunehmend zerstörte umwelt tagtäglich das gegenteil aufzeigten. so standen in den medien ideologische ausrichtung und parteipolitische lenkungsarbeit diametral den publikumsbedürfnissen und der breitenwirkung gegenüber, welche aufgrund der vorgefundenen umstände von einem besonderen bedürfnis nach entspannung geprägt waren. dieses wurde (wie oben angemerkt) überwiegend durch nutzung der medien aus der bundesrepublik gestillt.

das ideal und die realität
in den 1970ern wurde daraufhin eine annäherung an westliche programmstrukturen durch erhöhung der unterhaltung im hörfunk und fernsehen staatlich verordnet. besonders im radio erklangen nun immer mehr anglo-amerikanische lieder und schlager westlicher couleur, was zur erosion der seit den 1960ern bestehenden 60/40%-quote führte (die verbindlich den quantitativen einsatz für musik aus der DDR und anderen sozialistischen bruderstaaten (60%) gegenüber westlicher pop- und rockmusik (40%) vorschrieb). die übernahme von programmstrukturen ohne die aktualität und vollständigkeit des westlichen programme (da aufgrund der lenkungs- und kontrollmechanismen politische redakteure z.B. wesentlich länger brauchten, um sich vor veröffentlichung eines sachverhaltes abzusichern) bzw. die nach wie vor bestehende ideologische anwendungspraxis im hörfunk (journalismus als waffe im klassenkampf) - die basis jeglicher medienrealität und dadurch zu einer einheitlichkeit der wirklichkeitsdarstellung durch fehlende gesellschaftliche widersprüche führend !!! -, fanden allerdings wenig beachtung. der mit dem DDR-alltag zu erklärenden flucht ins private und unterhaltende setzte die SED-führung zum teil politikfreie stimmungsmacher entgegen, die wiederum das eigene konzept der politisch-ideologischen erziehungsarbeit untergruben; es wirkte wie eine staatlich verordnete verdrängung auf soziale, politische und ökonomische widersprüche. die gesellschaftliche psychologie (= subjektiven erfahrungen ihrer mitbürger) und ihre mediale darstellung (fehlende problematisierung der gegenwart und mangel an aktualität) standen im widerspruch und führten zu einer permanent gestörte kommunikationsbeziehung zwischen machtapparat und bevölkerung. die reformversuche der medien z.B. durch das jugendformat dt64 im hörfunk (ab 1986 mit eigenen frequenzen, ab 01.12.1987 mit eigener intendanz) [1989 im fernsehen mit elf 99] die heranwachsenden an die eigenen medien zu binden, blieb ohne politische wirkung, da sie keine wirkliche inhaltliche alternative zur abgelehnten medienberichterstattung boten.

schlussbemerkung: das totalitäre mediensystem der partei und das dabei entstehende meinungsmonopol, welches jegliche pluralität und vielfalt unterdrückte, ließ das geistige und kulturelle leben in der DDR verkümmern. die massenmedien, welche die "schärfste waffe der partei" sein sollten, haben durch die dabei zutage tretende entfremdung der führung von ihrer tragenden basis (die bevölkerung) zum zerfall des ideologischen gerüsts und der machstrukturen beigetragen, welche letztendlich in die friedliche revolution von 1989 und die deutsche wiedervereinigung vom 03.10.1990 mündeten. (marcos 09.12.2003 / 08:19)
w.e.w.d.o.s. teil 4 ...    überblick: die DDR 1949 - 1990

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wie ein wessi den osten sieht ... teil 4

teil 4 der mehrteiligen serie über das mediensystem der DDR dreht sich diesmal um die journalisten, die als "funktionäre der partei" zu verstehen waren - das schlagkräftigste instrument der partei im klasseenkampf und zentraler lenkung der massen. dem teil 4 ist ein weiteres mp3 des dt64-nachfolgers mdr sputnik angehängt, so dass damit auch die mp3's im dezember 2003 vollständig sind (marcos lópez @ mdr sputnik 21.08.1993 part 1 - 5). viel spass und ein schönes wochenende! "i'm singin' in the rain, just singin' in the rain ..."

"hörfunk im sozialismus der DDR –
funktionen, ausbildung, anspruch und wirklichkeit"

teil 4: die journalistische ausbildung im sozialismus der DDR

die schulen
die journalistische ausbildung in der DDR, die mit den staatlich geschützten bezeichnungen "journalist" bzw. "diplomjournalist" abgeschlossen werden konnte, wurde im sozialistischen land allein durch fachschule und universität ermöglicht: über die 1956 vom verband der journalisten (VDJ) gegründete fachschule für journalistik und über die sektion journalistik der karl-marx-universität leipzig (die 1969 aus der 1954 gegründeten fakultät für journalistik der karl-marx-universität leipzig hervorgegangen war und die ihre entstehung wiederum dem 1951 gegründeten institut für publizistik- und zeitungswissenschaften an der philosophischen fakultät der universität leipzig verdankt), die mit einer diplomarbeit beendet wurde. die sektion wurde aufgrund der linientreue der ausbildung gemäß dem marxismus-leninismus auch "rotes kloster" genannt. die ausbildung selber genoss aus dem gleichen kontext heraus die wenig rühmliche bezeichnung "rotlichtbestrahlung". (1993 gelang die neugründung zum institut für kommunikations- und medienwissenschaft).

voraussetzungen und ausbildung
der begehrte zugang zum journalistenberuf war staatlich geordnet und streng reglementiert. dem dreijährigen lehrgang an der fachschule bzw. dem vierjährigen studium an der universität musste ein einjähriges volontariat in einer redaktion bzw. einem verlag vorangegangen sein. vor der ausbildung musste man sich einer gründlichen untersuchung der ideologischen zuverlässigkeit unterziehen, denn linientreue galt als unbedingte voraussetzung sowohl für die aufnahme ins volontariat, dem studienplatz und die anstellung. für die aufnahme zum studium waren überdurchschnittliche leistungen in deutsch, geschichte und staatsbürgerkunde und fremdsprachen gefragt. gute kenntnise waren in den naturwissenschaftlichen fächern gefragt, ebenso physisches leistungsvermögen. als vorbereitung auf den "politischen beruf" des redakteurs war aktive mitarbeit in der SED, FDJ oder einer anderen geselschatlichen organisation obligatorisch. eine freie wahl des arbeitsplatzes gab es nach vier jahren "rotlichtbestrahlung" für die leipziger absolventen nicht: er/sie wurde von der einsatzkommission der ZK-abteilung agitation der SED bzw. vom presseamt beim vorsitzenden des ministerrats der DDR vermittelt. der weg führte meistens wieder zurück in die stuben der volontariatsredaktionen.

die inhalte der journalistischen ausbildung
die ausbildung wurde konkret mit folgenden Inhalten versehen (beispiele):
- gesellschaftswissenschaftliche seminare und vorlesungen zum marxsimus - leninismus (über den obligatorischen umfang anderer fächer hinaus)
- staatsbürgerkunde
- zivilverteidigung, militärische übungen + lagerausbildung
- fachspezifische lehrveranstaltungen im grundstudium mit grundlagen, theorie und methodik von journalismus (presse-, agentur-, hörfunk- und fernsehjournalismus) mit handwerklichen übungen
- geschichte des journalismus
- psychologie der massenmedien
- wenig praxis

kritik an der journalistischen ausbildung
zu der ideologisch überfrachteten lehre kam die tiefe, schwer vereinbare kluft zwischen universitätsideal und journalistischer praxis, d.h. zwischen politisch-ideologischer erziehung und fachlich-journalistischer bildung. das journalistische training blieb ebenso mangelware, wie die ergebniss soziologischer forschung, gegen die sich die SED ausdrücklich aussprach. zu der erhebung des handwerks journalismus mittels marx / engels / lenin zur wissenschaft, gesellte sich eine einseitig auf russisch orientierte sprachenausbildung. die verschulung des studiums wurde über disziplinierende obligationen gefördert: anwesenheitslisten, teilnahme am militärischer ausbildung, wissenstest sowie selbststudium nach sehr formalen kriterien. die überbetonung veralteter journalistikwissenschaftlicher erkenntnisse aus der sowjetunion war praktisch nicht anwendbar und wurde von der ignoranz gegenüber westdeutscher oder amerikanischer kommunikationsforschung begleitet. die tägliche erfahrung der studenten und werdenden journalisten wurde zudem von den widersprüchen und auswüchsen der praktizierten informationspolitik in der erlebten wirklichkeit geprägt.

das offizielle selbstverständnis der journalisten
im selbstverständnis sollte sich der journalist als funktionär der partei und der arbeiterklasse sehen, denn die ausbildung zum journalisten galt als vorbereitung auf einen politischen beruf. dabei waren parteilichkeit, wissenschaftlichkeit und volksverbundenheit die grundprinzipien des sozialistischen journalisten. in der von lenin geforderten "presse des neuen typs" war der journalist, nun auch in sämtlichen massenmedien, das führungsinstrument der partei zur sozialistischen umgestaltung, der im sinne der revolutionären politik die proletarische revolution an den mann zu bringen bzw. in die massen zu tragen hatte. der journalist war somit ein kaderpolitischer akteur, der als dienstleistender der partei, durch die von ihm geforderte anpassung an das marxistisch-leninistische leitbild, hofberichterstattung betrieb. es galt mit seinem mitteln ein bild der wirklichkeit zu zeichnen, gemäß dem geschmack der herrschenden, welches nur dann kritik erlaubte, wenn diese die herrschaft der partei nicht in frage stellte.

die tägliche praxis der journalist
die ausbildungsinhalte der fachschule und fakultäten wurden dem interesse der partei untergeordnet und verbogen: anstatt investigativen journalismus zu betreiben, waren die "funktionäre der partei" tagtäglich und permanent damit beschäftigt die ein totalitäres system destabilisierende pluralität der meinungen zu unterdrücken und dabei selbstverleugnung zu betreiben - denn auch nur geringste abweichungen vom parteilichen ideal, ja sogar kleinste druckfehler, konnten schwerwiegende konsequenzen für die beteiligten nach sich ziehen: kein wort entging dem fein gesponnenen filter der staats- und parteikontrolle und entlassungen sowie berufsverbote waren keine seltenheit. die "schere im kopf" war durch die zentralistisch gesteuerten kulturpolitischen überwachungs- und disziplinierungsmaßnahmen allgegenwärtig und wohl das stärkste kulturinstrument, welches die DDR in über 40 Jahren massenmedialer anleitung, kontrolle und lenkung durch die SED herausbildete: vorauseilender und vorbeugender gehorsam der um ihre berufliche existenz bangenden journalisten, ließ nur das zur veröffentlichung einreichen, was vor ablehnung sicher war. dies wurde zudem durch die täglichen "empfehlungen" und wöchentlichen "argus" der SED-agitationsbürokratie an die chefredaktionen und massenmedien (für stellungnahmen, bedeutungen und begriffe bis hin zur positionierung von bildern und meldungen) gefördert. gerade in diesen umständen sind die schwierigkeiten im selbstständigen recherchieren und der eigenen meinungsbildung in komplexen sachverhalten der journalisten ostdeutscher herkunft zu suchen. ebenso liegen hier die ursachen für den die sorgfaltspflicht verletzenden enthüllungsjournalismus des herbstes 1989, der ein offensichtliches resultat unverschuldeter und mangelnder professionalität war. die tägliche praxis der journalisten bestand aus bewusster desinformation, selektion, ´halbwahrheiten´ und entstellenden verkürzungen genauso wie aus ´schönfärberei´ und wunschvorstellungen. die chefredakteure hatten dabei den spagat zwischen dem ihnen anvertrauten einzelleitungsprinzip und ihrer rolle als weiterleiter der parteitagsbeschlüsse zu meistern. für die ausgebildeten journalisten war im spannungsfeld von anspruch, parteiliche ideale und wirklichkeit (journalistische abbildung der realität), von ausbildung und beruf, totale anpassung verlangt.


schlussbemerkung:die ideologisch überfrachtete lehre bei gleichzeitigem wissen um zentral gelenkte, kontrollierte und verlautbarende praxis erzeugte ihren größten konflikt aber darin, dass durch westmedien eine permanente gegenöffentlichkeit erzeugt wurde, die z.B. durch bestimmte informationssendungen und minderheitenprogramme einen anderen deutschen journalismus realisierte und vorlebte – und für das eigene land doch unmöglich war.
w.e.w.d.o.s. teil 3 ...    w.e.w.d.o.s. teil 2 ...

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wie ein wessi den osten sieht ... teil 3

teil 3 der mehrteiligen serie über das mediensystem der DDR, mit ergänzender zeittafel, foto und weiterem download eines teils einer sendung des dt64-nachfolgers mdr sputnik.

"hörfunk im sozialismus der DDR –
funktionen, ausbildung, anspruch und wirklichkeit"

teil 3: der hörfunk in der DDR

aufbau und organisation: 1945 - 1949
nur wenige monate nach einstellung des nationalsozialistischen rundfunks, aufgrund der bedingungslosen kapitulation deutschlands am 08.05.1945, installierte die sowjetische militäradministration (SMAD) im dezember des gleichen jahres die deutsche zentralverwaltung für volksbildung (DZVfV), die von nun an für volksbildung, kunst, kultur und massenmedien verantwortlich zeichnete. unter der leitung der DZVfV gelang bis 1949 der Aufbau der größtenteils zerstörten sender zu einem DDR-hörfunk mit föderalen Einheiten. im november 1949, kurz nach gründung der DDR, wurde die DZVfV aufgelöst und das amt für information beim ministerpräsidenten der DDR übernahm die rundfunkpolitische organisation und verwaltung des hörfunks.

aufbau und organisation: 1950er - 1980er
aufgrund der reichweite durch zentrale und regionale render, gelangte der Hörfunk in den blickpunkt der 1950 gegründeten abteilung agitation und propaganda, welche das medium zur politischen und weltanschaulichen indoktrination instrumentalisierte: sie zentralisierte, kontrollierte und lenkte den hörfunk. die abteilung unterstand dem gleichnamigen sekretär des zentralkomitees, der wiederum dem generalsekretär unterstand. die 2 generalsekretäre in der 41-jährigen geschichte der DDR fungierten dadurch zu "general-chefredakteuren" (walter ulbricht von 1950-71, erich honecker von 1971-89), die in selbiger funktion auch der presse der SED, dem allgemeinen deutschen nachrichtendienst (ADN) und dem 1952 gegründeten staatlichen rundfunkkomitee (SKR) vorsaßen. das am 14.08.1952 gegründete SKR (mit dem intendanzbereich "deutscher fernsehfunk") als oberste lenkungs- und leitungsinstanz zur umgestaltung des rundfunks nach sowjetischem Vorbild stellt zugleich den vorläufigen schlusspunkt der zentralisierungsbemühungen für den hörfunk dar, der sich bis zum Ende der 1950er konsolidiert, als der aufbau von neuen funkhäusern in den bezirkshauptstädten beendet ist. die zu diesem zeitpunkt bestehende hörfunklandschaft soll fast unverändert bis zum Ende der DDR bestand haben, aber starke veränderungen durch programmstrukturreformen zur differenzierten zielgruppenorientierung aufweisen.

die funktion des hörfunks
der hörfunk hatte, wie alle massenmedien in der DDR, systemimmanente funktionszuweisung, d.h. die ideologische ausrichtung der programme und die inhalte der sendungen bewegten sich dabei innerhalb der grenzen, die durch die politische entwicklung der DDR vorgegeben wurden. dabei wurde hörfunk offen als veranstaltung der staatsbürgerlichen erziehung betrieben, indem es sämtliche bevölkerungskreise im marxistisch-leninistischen sinne fortbildete, sie mit dem kommunismus russischer prägung vertraut machte und indoktrinierte, zur weckung einer sozialistischen einstellung anstiftete und den patriotismus zu vertiefen suchte. hörfunk galt besonders in der DDR der 1950er, noch vor der einführung des fernsehens und bevor das audiovisuelle medium seine flächendeckende verbreitung erreicht und seine anziehungskraft entfaltet hatte, als schlagkräftiges Instrument der agitation und propaganda und war "ein wesentlicher Bestandteil des sozialistischen sozialismus", der es am ende seiner agitationsbürokratischen anleitung, durch das ZK der SED auf täglich ca. 260 sendestunden verteilt auf fünf senderketten brachte.

anmerkung: das problem des staatstragenden mediums ist das der massenmedien in der DDR insgesamt gewesen: in der verkündung der politischen ideale ("kollektiver Propagandist"), dem Versuch die missstände auf dem weg dahin, d.h. die differenz aus wunsch und wirklichkeit, oft in unzureichender Weise - durch desinformation - zu erklären ("kollektiver agitator") und der permanenten aufforderung die wirtschaftspläne zu erfüllen und noch mehr für den sozialismus zu tun ("kollektiver Organisator", blieb die abbildung der tatsächlichen gesellschaftlichen Realität auf der Strecke – und förderte gerade so die entfremdung der menschen und der bevölkerung insgesamt (von ihrem System, von ihren Medien, von ihren dargestellten problemen): dem ein ende zu setzen war aber erklärtermaßen das ziel des marxistische-leninistischen soizialismuses und seiner revolutionären politik.

die hörfunksender der DDR
von 1945-1949 fand der aufbau der größtenteils zerstörten sender in durch die DZVfV unter anleitung der SMAD statt. das rundfunkreferat der verwaltung des hörfunks ermöglichte in form der generalintendanz des deutschen demokratischen rundfunks den Sendebetrieb für den berliner rundfunk, deutschlandsender und der mitteldeutschen sendegruppe mit ihren regionalen sendern. mit auflösung der länder am 23.07.1952 und der bildung des staatlichen rundfunkkomitees vom 14.08.1952, wurden nur zwei wochen später unter anleitung der abteilung agitation und propaganda des ZK der SED die sender aufgelöst und drei zentrale Programme ausgestrahlt, berlin I, II und III, die am 11.09.1955 jedoch erneut in berliner rundfunk, deutschlandsender und jetzt radio DDR umbenannt wurden. 1956 (bis 01.10.1971) und 1960 (bis 01.07.1972) entstehen noch die propagandistisch geprägten freiheitssender 904 (als reaktion auf das verbot der KPD, der kommunistischen partei deutschlands, in der BRD) und der soldatensender 935, der sich an bundeswehrangehörige richtet. des weiteren kommen 1958 noch die berliner welle (als 1. UKW-sender der DDR), 1959 radio berlin international (RBI / als auslandsdienst der DDR), 1966 die rostocker ferienwelle und 1986 das jugendradio dt64 (aus dem seit dem 1964 täglich auf dem berliner rundfunk gesendeten jugendmagazin) mit eigenen frequenzen hinzu (ab 01.12.1987 mit eigener intendanz erhält).

1970er - 1991
in den 1970er durchlief der hörfunk im sozialismus der DDR eine differenzierung der programme wie der hörfunk in der BRD, mit einem allgemeinen Angebot an Musik und Informationen, kulturorientiertem programm und jugendfunk. einer programmstrukturreform 1983 zugunsten unterhaltungs- und magazinsendungen erfolgte 1987 eine weitere. wesentlichste neuerung bleibt dabei die etablierung einer fünften hörfunkkette mit dt64, die sämtliche bisher existierenden jugendprogramme im hörfunk der DDR bündelte und zu einem eigenen vollprogramm verschmolz. im hörfunk der DDR kam es im zuge der politischen veränderungen ab dem herbst 1989 und der gründung des rundfunks der DDR, als nachfolger der staatlichen komitees, zu großen umstrukturierungen durch rückführung der zentralisierten sender in landesprogramme. die im zuge des einigungsvertrages als "einrichtung" bezeichneten ehemaligen hörfunk- und fernsehsender der DDR wurden vom rundfunkbeauftragten rudolf mühlfenzel bis zum 31.12.1991 in öffentlich-rechtliche strukturen überführt. im zuge dieser strukturellen veränderungen der gesamten medienlandschaft kam es zu zahlreichen umbenennungen und abwicklungen.


foto:
wie ein wessi den ossi mag :-)
micha & marcos in der zentralen landesbibliothek,
breite strasse, berlin mitte (neben dem palast der republik)
08.11.2003 / 12:00
w.e.w.d.o.s. teil 2 ...    anmerkungen zur entwicklung des hörfunks in der DDR ...

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wie ein wessi den osten sieht ... teil 2

hier ist der zweite teil (von 5) von "wie ein wessi den osten sieht" (w.e.w.d.o.s.), eine intensive beschäftigung mit den massenmedien in der DDR und dem hörfunk im besonderen. begleitet werden die kurzen aufsätze von zeit- oder stichpunkttafeln und den mp3s im dezember 2003 (die sich jeweils am ende des aufsatzes befinden). zum verständnis und der erstellung eines persönlichen bezugs, ist die einleitung von w.e.w.d.o.s. - teil 1 ganz hilfreich ...

"hörfunk im sozialismus der DDR –
funktionen, ausbildung, anspruch und wirklichkeit"

>>> teil 2: die marxistisch-leninistische pressetheorie

das ideologische grundgerüst für die zentrale lenkung der massenmedien fand die sozialistische DDR-regierung in den ausführungen lenins, der in seinem im deutschen exil geschriebenen und 1901 veröffentlichten leitartikel der nr. 4 der zeitschrift "iskra" – sie wurde in münchen verlegt und in leipzig gedruckt –, die "presse des neuen typs" definiert. der zeitung kommt fortan die rolle als "kollektiver propagandist", "kollektiver agitator" und "kollektiver organisator" zu, die im sozialismus der DDR sowie den Staaten des sowjetischen machtbereichs, auch auf die elektronischen medien übertragen wird.

kollektiver propagandist
in der langfristig angelegten rolle als "kollektiver propagandist" gilt es, die wissenschaftliche gesellschaftsstrategie des marxismus-leninismus systematisch zu verbreiten. dieses herzstück der parteitätigkeit ist die langfristig angelegte politisch-ideologische erziehungs- und öffentlichkeitsarbeit, welche durch darlegung und erläuterungen der kommunistischen überzeugungen und theorien "die lehre verkündet".

kollektiver agitator
in der rolle als "kollektiver Agitator" soll durch beseitigung aktueller und akuter hemmnisse die tagespolitik der partei unterstützt und die bevölkerung zur erfüllung der im tagesgeschäft gestellten aufgaben aktiviert werden. dabei spornt dieser kurzfristigere, auf unmittelbare umsetzung angelegte bestandteil der parteipolitik, der "das Wort zu den massen bringt", die werktätigen zu höheren leistungen an.
kollektiver organisator
In der rolle als kollektiver organisator sollen die medien die werktätigen zum aufbau des sozialismus mobilisieren, indem zur durchsetzung der parteibeschlüsse angeleitet und geführt wird, sowie die wirtschaftspläne überwacht werden. die werktätigen werden dabei zur bereitwilligen erfüllung aufgefordert.

anmerkung: der begriff der "marxistisch-leninistischen pressetheorie" besitzt terminologisch-evidente widersprüche, da marx´ ausführungen zur presse bürgerlichen freiheitsvorstellungen nahe kam, gegen die sich lenin aussprach: dieser strebte die politische macht der arbeiterklasse durch die diktatur des Proletariats an (was gleichzeitig die "niederhaltung der ausbeuterklasse [= bourgeoise] implizierte).
w.e.w.d.o.s. - teil 1 ...    zeittafel: entwicklung der massenmedien in der DDR ...

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